Sachverständige:rFrage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-VersprechenS. 4–5
Vor Doha: Taliban hielten Absprachen; nach Doha und Abzug nicht mehr durchsetzbar
Originalstelle
„Ich selbst habe in meiner Zeit als Chef des Stabes ISAF mehrfach mit Vertretern der Taliban gesprochen und kann daher sagen: sie haben sich damals immer an die jeweiligen Absprachen gehalten – wohl wissend, dass wir Verstöße hätten ahnden können. Das war nach dem Doha-Abkommen und Abzug der internationalen Truppe NICHT mehr möglich. Insofern waren Zweifel an dem Versprechen der Taliban berechtigt.“
Aus seinen eigenen Taliban-Gesprächen als ISAF-Stabschef wisse Domröse, dass sich die Taliban damals an Absprachen gehalten hätten, auch weil Verstöße hätten geahndet werden können; nach Doha und Abzug sei diese Sanktionsmöglichkeit weggefallen, Zweifel an den Taliban-Versprechen daher berechtigt.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.