Verhandlungen mit Taliban grundsätzlich begrüßt; Ziel: Regierungspartizipation à la Nordirland
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„Grundsätzlich habe ich es immer begrüßt, mit den Taliban zu verhandeln. Es ging aus meiner Sicht im Kern um Partizipation an der Regierung, etwa nach dem „Vorbild” Nordirlands & UK. Die USA traten als Vermittler auf und waren in der Lage, „alle”, d. h. Taliban, pakistanische und afghanische Regierungsvertreter und Vertreter der truppenstellenden Nationen an einen Tisch zu bringen und ein mögliches Ergebnis durchzusetzen bzw. zu überwachen.“
Domröse habe Verhandlungen mit den Taliban grundsätzlich begrüßt. Ziel sei aus seiner Sicht Regierungspartizipation der Taliban gewesen (Vorbild Nordirland und UK); die USA hätten als Vermittler alle relevanten Parteien an einen Tisch bringen und ein Ergebnis durchsetzen können.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.