Sachverständige:rFrage 1 — politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 3
Politische Lage angespannt, militärische Lage relativ stabil: „landestypisch relativ sicher”
Originalstelle
„Die politische Lage war unverändert „angespannt”: erstens, weil quasi zwei Regierungschefs agierten (Ghani & Abdulla), zweitens, weil das Verhältnis zum Nachbarn Pakistan nach wie vor schwierig, d.h. nicht freundschaftlich geprägt und drittens, weil eine gewisse Einsatzmüdigkeit bei den truppenstellenden Nationen bzw. der Internationalen Gemeinschaft spürbar waren. Die militärische Lage war in diesem politisch schwierigen Umfeld (IRAN & PAKISTAN) trotzdem relativ stabil – nicht besorgniserregend. Insgesamt kann man – aus meiner Sicht - die Sicherheitslage damals als landestypisch relativ sicher bezeichnen.“
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis zur Einordnung: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Ausschussdrucksache: 20(27)99
Datum: 2022-09-05
Art des Belegs: wörtliches Zitat
Widersprüche und abweichende Sichten
Direkt widersprechende Aussagen
Sachverständige:rFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 1
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens habe das Leben der Menschen in Afghanistan bereits von Hoffnungslosigkeit, schlechter Sicherheitslage, politischer Instabilität und nachlassender internationaler Unterstützung geprägt gewesen.
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.