Bridge the Gap.

← Ressortabstimmung

Sondervotum 4.2.6 — Sondervotum CDU/CSU und Sv Zeino S. 151–152

Sondervotum CDU/CSU und Zeino: Bevölkerungsverdopplung relativiert HDI-Bewertung

Originalstelle
„Trotz der Verdoppelung der Bevölkerungszahl in Afghanistan im betrachteten Zeitraum ist eine Stabilisierung und teilweise Verbesserung des HDI-Wertes erzielt worden, was bemerkenswert ist. Die Veränderungen in Gebieten, in denen vorrangig deutsche Akteure aktiv waren, insbesondere in den sechs Fokusprovinzen Nordafghanistans, wurden nicht ausreichend differenziert betrachtet.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 151–152 (Original, neues Fenster)

Die CDU/CSU-Fraktion und die sachverständige Dr. Ellinor Zeino fordern eine differenziertere Betrachtung. Trotz der Verdoppelung der Bevölkerung Afghanistans im betrachteten Zeitraum wurde eine Stabilisierung und teilweise Verbesserung des HDI-Wertes erzielt, was bemerkenswert sei. Auch die Veränderungen in den sechs deutsch geprägten Fokusprovinzen Nordafghanistans seien nicht ausreichend differenziert betrachtet worden. Eine unkritische Überhöhung zivilgesellschaftlicher Akteure gegenüber staatlichen sei problematisch.

Hinweis zur Einordnung: Sondervotum; spiegelt nicht die Position der gesamten Enquete-Kommission wider.
Thema: Ressortabstimmung Akteure: CDU/CSU-Fraktion, Ellinor Zeino Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan”, 20. Wahlperiode

Drucksache: 20/10400

Fundstelle: S. 151–152 (Dokument insgesamt S. 117–214)

Art des Belegs: sinngemäße Wiedergabe (Paraphrase)

Widersprüche und abweichende Sichten

Abweichende Einschätzungen

Bewertung 4.2.5.2.3 — Fazit Bilanz S. 130

Ziele der Bundesregierung nur punktuell erreicht; systemische Effekte ausgeblieben

Die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung, Lebensbedingungen zu verbessern und einen aufgebauten Wirtschaftssektor zu schaffen, wurden nur punktuell erreicht. Die Wirkungen des zwanzigjährigen Engagements sind „überaus bescheiden”. Punktuelle Erfolge zeigen sich in Basisversorgung (Wasser, Grundbildung, Gesundheit), Infrastruktur (u. a. Flughafen Mazar-e Sharif) sowie bei individuellen Kompetenzzuwächsen hunderttausender Afghaninnen und Afghanen.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Bundesregierung enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json
Bewertung 4.2.5.4 — Bewertung S. 150

Motive und Ziele des Einsatzes wurden nie klar und eindeutig kommuniziert

Die Motive und Ziele des Afghanistan-Einsatzes wurden nicht klar kommuniziert. Es gab unterschiedliche Mandate (ISAF, OEF) und Ansprüche: Die USA priorisierten die Terrorismusbekämpfung, während die deutsche Herangehensweise war, über die Verbesserung der Lebensbedingungen Terrorismus den Nährboden zu entziehen. Auf nationaler Ebene fehlte ressortübergreifend eine gemeinsame Strategieentwicklung.

Thema: Verantwortung & Konsequenzen Akteure: Bundesregierung, USA, Auswärtiges Amt, BMZ… enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json

Weiteres aus derselben Quelle

Feststellung 4.2.4.2.1 — Frauenförderung S. 118

Frauenförderung als Anliegen des deutschen Engagements; vage Zielformulierungen

Die Bundesregierung beschrieb die Förderung von Frauen und Kindern als besonderes Anliegen des Wiederaufbaus. Kernbereiche waren Projekte gegen Missbrauch und häusliche Gewalt, Rechtsberatung, Bildung, Radio- und Kommunikationsnetze und Wirtschaftsförderung. Formulierungen zu konkreten deutschen Zielen blieben jedoch oft vage und verwiesen auf die afghanische Verfassung von 2004, die zugleich festhielt, dass kein Gesetz im Widerspruch zum Islam stehen darf.

Thema: Humanitäre Lage 2001–2021 Akteure: Bundesregierung, BMZ, afghanische Regierung enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json
Feststellung 4.2.4.2.1 — Frauenförderung S. 118–119

Frauen im öffentlichen Dienst: Rückgang 2006–2010 von 31 auf 18,5 Prozent

Zwischen 2006 und 2010 sank der Anteil von Frauen im afghanischen öffentlichen Dienst von 31 % auf 18,5 %. Ein Grund war ihre besondere Gefährdung: Allein 2008 wurden zehn Afghaninnen in öffentlichen Ämtern (u. a. Lehrerinnen, Polizistinnen, Politikerinnen) ermordet. Bis 2020 stieg der Anteil wieder auf 35 %.

Thema: Humanitäre Lage 2006–2020 Akteure: afghanische Bevölkerung, afghanische Regierung enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json
Feststellung 4.2.4.2.1 — Frauenförderung S. 119

Massiver Ausbau der Mobilfunknetze: von praktisch null (2001) auf 5,4 Millionen Anschlüsse (2008)

Während es 2001 in Afghanistan praktisch kein Telekommunikationsnetz gab, waren 2006 etwa 2,52 Millionen Mobiltelefone in Gebrauch; bis 2008 verdoppelte sich diese Zahl auf ca. 5,4 Millionen Anschlüsse. Der technologische Wandel trug zu einer besseren Vernetzung der organisierten Zivilgesellschaft und marginalisierter Gruppen bei.

Thema: Humanitäre Lage 2001–2008 Akteure: afghanische Bevölkerung enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json
Feststellung 4.2.4.2.2 — Staatliche Hürden bei Frauenrechten S. 119–120

EVAW-Gesetz 2009: trotz hunderttausender Übergriffe nur 172 Anklagen

Das 2009 in Afghanistan eingeführte „Elimination of Violence Against Women”-Gesetz (EVAW) scheiterte vielerorts an der Rechtsanwendung. Während NGOs von hunderttausenden sexuellen Übergriffen berichteten, beschränkte sich die Zahl der Anklagen laut afghanischem Innenministerium auf nur 172. Das formelle Justizsystem erwies sich als dysfunktional; Richter, Staatsanwälte und Verteidiger akzeptierten oder kannten die Regelung oft nicht.

Thema: Humanitäre Lage 2009 Akteure: afghanisches Frauenministerium, afghanisches Innenministerium, NGOs enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json
Bewertung 4.2.4.2.3 — Erfolgsfaktor Querschnittsthema S. 120

Gender-Mainstreaming wirksamer als „reine” Frauenrechtsprojekte

Die Einbettung frauenrechtlicher Ziele als Querschnittsthema in Projekten anderer Bereiche (Bildung, Polizeiaufbau, wirtschaftliche Teilhabe) erwies sich gegenüber „reinen” Frauenrechtsprojekten wie Workshops als effektiver und nachhaltiger. Auf dem Land konnten gerade Projekte mit moderater Zielsetzung (Alphabetisierung, Gesundheitsversorgung, frauenspezifische Landwirtschaft) vergleichsweise nachhaltige Verbesserungen erzielen.

Thema: Humanitäre Lage Akteure: BMZ, GTZ/GIZ enquete\zwischenbericht-projektgruppen-2.json