Bridge the Gap.

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Sachverständige:r Kap. 5.4 — Doha und EU S. 225–226

von Brandt: Westlicher Ruf nach Verhandlungen war innenpolitisch motiviert; Doha hatte primär Abzug zum Ziel

Originalstelle
„Unser westlicher Ruf nach Friedensverhandlungen schien mir in erster Linie innenpolitisch motiviert, und das war durchaus legitim. Eine spezifische genuine politische Betrachtung der afghanischen Politik und einen möglichen Interessenausgleich zwischen verschiedenen Gruppierungen auch innerhalb der Aufstandsbewegung fand meines Erachtens nie ausreichend statt […].“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 225–226 (Original, neues Fenster)

Andreas von Brandt, AA-Diplomat und 2020–2021 Leiter der EU-Delegation in Kabul, sagte: Der westliche Ruf nach Friedensverhandlungen sei primär innenpolitisch motiviert gewesen. Die Doha-Verhandlungen hätten primär den US-Truppenabzug zum Ziel gehabt, nicht „seriöse, umfassende Friedensverhandlungen“. Er habe es für „illusorisch“ gehalten, dass die Taliban noch vor dem US-Rückzug einer Vereinbarung mit der afghanischen Republik zustimmen würden. Es habe eine große „Afghanistan-Müdigkeit“ in der NATO geherrscht.

Thema: Doha-Abkommen Akteure: Andreas von Brandt, EU, USA Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“ — Kapitel 5: Die öffentlichen Anhörungen mit externen Sachverständigen

Drucksache: 20/10400

Fundstelle: S. 225–226 (Dokument insgesamt S. 209–241 (PDF-Seiten 331–363))

Art des Belegs: wörtliches Zitat

Verwandte Aussagen

Feststellung Teil 2, Kap. 1, Abschnitt 2.1.2 — Einfluss Doha S. 158

Schetter: Doha-Abkommen war „handwerklich gesehen miserabel”: keine Monitoring-Instrumente, kein Stufenplan, Truppenabzug nicht konditioniert

Sachverständiger Schetter bezeichnete das Doha-Abkommen als „handwerklich miserabel” und „durchgepeitscht”: Es fehlten Beteiligung der afghanischen Regierung und Zivilgesellschaft, verbindliche Kriterien, Monitoring-Instrumente und ein Stufenplan; der Truppenabzug sei nie mit dem innerafghanischen Friedensprozess gekoppelt worden. Mielke und Petersmann bestätigten dies.

Thema: Doha-Abkommen Akteure: Conrad Schetter abschlussbericht\teil2-kap1-doha-lage.json

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Feststellung Kap. 5 — Einleitung S. 209

35 externe Sachverständige in 11 öffentlichen Anhörungen, chronologisch und thematisch

Die Enquete-Kommission hörte in 11 öffentlichen Sitzungen 35 externe Sachverständige an, darunter ehemalige afghanische Ministerinnen, VN-Sonderbeauftragte, Bundeswehr-Führungskräfte, deutsche Diplomaten, eine Ministerin und zwei Minister sowie einen BND-Präsidenten. Die Kommission stellt ausdrücklich klar, dass sie sich die Bewertungen der Gäste nicht zu eigen macht.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Enquete-Kommission enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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Steiner: Beteiligung Deutschlands am Afghanistan-Einsatz war aus Solidarität mit den USA und wegen NATO-Beistandspflicht „außer Frage“

Botschafter a. D. Michael Steiner, 2001 außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Schröder, sagte aus: Die Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen Al-Qaida und die Taliban sei aus Solidarität mit den USA und wegen der NATO-Beistandspflicht für die Bundesregierung außer Frage gestanden. Er sei wenige Tage nach dem 11.09.2001 im Auftrag des Kanzlers nach New York und Washington gereist.

Thema: Völkerrecht & Mandat September/November 2001 Akteure: Michael Steiner, Bundeskanzleramt, NATO enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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von Butler: Kurze Vorbereitungszeit für ISAF; fehlende zivile Kräfte als verpasste Chance

Generalleutnant a. D. Carl-Hubertus von Butler, Führer des ersten deutschen ISAF-Kontingents, berichtete: Die Bundeswehr habe von Oktober bis Dezember 2001 wenig Zeit für die Planung gehabt; sichtbare operative Vorbereitungen seien wegen des schwierigen politischen Entscheidungsprozesses weitgehend vermieden worden. Das habe die Soldatinnen und Soldaten einem besonderen Risiko ausgesetzt. Mit dem anfänglichen Übergewicht des Militärischen und fehlenden zivilen Kräften habe man eine Chance vertan, die Bevölkerung dauerhaft für das internationale Engagement zu gewinnen.

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Steiner: 2002 Fehleinschätzung „Afghanistan sei militärisch gelaufen“; die Aufmerksamkeit sei zum Irak abgewandert

Steiner hob hervor, dass es 2002 die Fehleinschätzung gegeben habe, Afghanistan sei militärisch erledigt. Die USA hätten sich dem Irak zugewendet. Als „mit Abstand größter Faktor“ in Afghanistan habe das die internationale Aufmerksamkeit massiv reduziert. Deutschland habe damals eine „relativ schmale außenpolitische Achse“ gehabt und sei mit internationalem Terrorismus und Afghanistan völlig unvorbereitet konfrontiert worden.

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Schetter: Kulturelle und ethnische Vielfalt und Stadt-Land-Gefälle in der Einsatzvorbereitung kaum berücksichtigt; Interventen verfolgten oft sowjetische Politik unbewusst

Prof. Conrad Schetter (BICC) kritisierte: Die kulturelle und ethnische Vielfalt Afghanistans sowie das Stadt-Land-Gefälle seien in der Einsatzvorbereitung zu wenig berücksichtigt worden. Konstante Konflikte um Ressourcen (Wasser, Land, Weiden) seien unterschätzt, die Idee westlicher Staatlichkeit habe für die Mehrheit der Bevölkerung keine Rolle gespielt. Frappierend sei, dass Interventen in vielen Politikfeldern (Sicherheit, Bildung) die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer der 1980er verfolgt hätten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Vorhandene Expertise sei wenig abgefragt worden.

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