Bridge the Gap.

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Sachverständige:r Kap. 5.4 — Zivilgesellschaft S. 223

Ghafari: Doha-Abkommen habe Anstrengungen einer ganzen Generation „an einem Tag verkauft“

Originalstelle
„Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass der Hauptgrund für das Scheitern unserer gemeinsamen Bemühungen in den letzten 20 Jahren in Afghanistan darin lag, dass wir die Menschen in den ländlichen Gebieten ignorierten, aber in den großen Städten Projekte unterstützten und hauptsächlich in den zentralen Gebieten arbeiteten.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 223 (Original, neues Fenster)

Zarifa Ghafari, Gründerin der NGO „Assistance and Promotion of Afghan Women“, berichtete: Eine neue Mehrheitsgeneration habe Zugang zu Bildung und politischer Teilhabe erlangt; das Doha-Abkommen habe diese Anstrengungen „an einem Tag verkauft“. Hinderungsgrund für eine offene Gesellschaft sei die „offene Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die Waffenbarone, Gangster, Schmuggler, Mafia und Kriegsverbrecher“ gewesen. Das Scheitern führt sie maßgeblich auf das Ignorieren der ländlichen Bevölkerung zurück.

Thema: Humanitäre Lage Akteure: Zarifa Ghafari Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“ — Kapitel 5: Die öffentlichen Anhörungen mit externen Sachverständigen

Drucksache: 20/10400

Fundstelle: S. 223 (Dokument insgesamt S. 209–241 (PDF-Seiten 331–363))

Art des Belegs: wörtliches Zitat

Verwandte Aussagen

Feststellung Teil 2, Kap. 1, Abschnitt 2.1 — Panel 1: Stadt-Land-Kluft S. 164–166

Sachverständige bestätigen tiefe Stadt-Land-Kluft; Taliban-Rückhalt v.a. ländlich, Misstrauen gegen Eliten

Übereinstimmend bestätigten die Sachverständigen (Dube, Mielke, Petersmann, Schetter, Zeino) eine tiefe Stadt-Land-Kluft: Loyalität zur Regierung vor allem urban; Taliban-Rückhalt vor allem in ländlich-paschtunischen Gebieten, auch wegen ihrer anti-elitären Selbstdarstellung und der ländlich wahrgenommenen Korruption von Staat und Justiz.

Thema: Lageeinschätzung abschlussbericht\teil2-kap1-doha-lage.json

Weiteres aus derselben Quelle

Feststellung Kap. 5 — Einleitung S. 209

35 externe Sachverständige in 11 öffentlichen Anhörungen, chronologisch und thematisch

Die Enquete-Kommission hörte in 11 öffentlichen Sitzungen 35 externe Sachverständige an, darunter ehemalige afghanische Ministerinnen, VN-Sonderbeauftragte, Bundeswehr-Führungskräfte, deutsche Diplomaten, eine Ministerin und zwei Minister sowie einen BND-Präsidenten. Die Kommission stellt ausdrücklich klar, dass sie sich die Bewertungen der Gäste nicht zu eigen macht.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Enquete-Kommission enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
Sachverständige:r Kap. 5.1 — Beginn des Einsatzes 2001 S. 209

Steiner: Beteiligung Deutschlands am Afghanistan-Einsatz war aus Solidarität mit den USA und wegen NATO-Beistandspflicht „außer Frage“

Botschafter a. D. Michael Steiner, 2001 außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Schröder, sagte aus: Die Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen Al-Qaida und die Taliban sei aus Solidarität mit den USA und wegen der NATO-Beistandspflicht für die Bundesregierung außer Frage gestanden. Er sei wenige Tage nach dem 11.09.2001 im Auftrag des Kanzlers nach New York und Washington gereist.

Thema: Völkerrecht & Mandat September/November 2001 Akteure: Michael Steiner, Bundeskanzleramt, NATO enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
Sachverständige:r Kap. 5.1 — Beginn des Einsatzes 2001 S. 210

von Butler: Kurze Vorbereitungszeit für ISAF; fehlende zivile Kräfte als verpasste Chance

Generalleutnant a. D. Carl-Hubertus von Butler, Führer des ersten deutschen ISAF-Kontingents, berichtete: Die Bundeswehr habe von Oktober bis Dezember 2001 wenig Zeit für die Planung gehabt; sichtbare operative Vorbereitungen seien wegen des schwierigen politischen Entscheidungsprozesses weitgehend vermieden worden. Das habe die Soldatinnen und Soldaten einem besonderen Risiko ausgesetzt. Mit dem anfänglichen Übergewicht des Militärischen und fehlenden zivilen Kräften habe man eine Chance vertan, die Bevölkerung dauerhaft für das internationale Engagement zu gewinnen.

Thema: Ressortabstimmung 2001/2002 Akteure: Carl-Hubertus von Butler, Bundeswehr, ISAF enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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Steiner: 2002 Fehleinschätzung „Afghanistan sei militärisch gelaufen“; die Aufmerksamkeit sei zum Irak abgewandert

Steiner hob hervor, dass es 2002 die Fehleinschätzung gegeben habe, Afghanistan sei militärisch erledigt. Die USA hätten sich dem Irak zugewendet. Als „mit Abstand größter Faktor“ in Afghanistan habe das die internationale Aufmerksamkeit massiv reduziert. Deutschland habe damals eine „relativ schmale außenpolitische Achse“ gehabt und sei mit internationalem Terrorismus und Afghanistan völlig unvorbereitet konfrontiert worden.

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Sachverständige:r Kap. 5.1 — Kontextverständnis S. 211

Schetter: Kulturelle und ethnische Vielfalt und Stadt-Land-Gefälle in der Einsatzvorbereitung kaum berücksichtigt; Interventen verfolgten oft sowjetische Politik unbewusst

Prof. Conrad Schetter (BICC) kritisierte: Die kulturelle und ethnische Vielfalt Afghanistans sowie das Stadt-Land-Gefälle seien in der Einsatzvorbereitung zu wenig berücksichtigt worden. Konstante Konflikte um Ressourcen (Wasser, Land, Weiden) seien unterschätzt, die Idee westlicher Staatlichkeit habe für die Mehrheit der Bevölkerung keine Rolle gespielt. Frappierend sei, dass Interventen in vielen Politikfeldern (Sicherheit, Bildung) die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer der 1980er verfolgt hätten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Vorhandene Expertise sei wenig abgefragt worden.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Conrad Schetter enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json