Bridge the Gap.

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Sachverständige:r Kap. 5.1 — Kontextverständnis S. 211

Schetter: Kulturelle und ethnische Vielfalt und Stadt-Land-Gefälle in der Einsatzvorbereitung kaum berücksichtigt; Interventen verfolgten oft sowjetische Politik unbewusst

Originalstelle
„So dampfte die internationale Gemeinschaft die Vergangenheit des Landes immer wieder auf recht grobe Konfliktlinien ein […]. Dabei gab es wenig Bemühen, ein historisches Kontextverständnis zu entwickeln. Frappierend ist vor allem, in wie vielen Politikfeldern – etwa Sicherheitssektor oder Bildung – die Interventen die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer in den 1980er-Jahren verfolgten, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 211 (Original, neues Fenster)

Prof. Conrad Schetter (BICC) kritisierte: Die kulturelle und ethnische Vielfalt Afghanistans sowie das Stadt-Land-Gefälle seien in der Einsatzvorbereitung zu wenig berücksichtigt worden. Konstante Konflikte um Ressourcen (Wasser, Land, Weiden) seien unterschätzt, die Idee westlicher Staatlichkeit habe für die Mehrheit der Bevölkerung keine Rolle gespielt. Frappierend sei, dass Interventen in vielen Politikfeldern (Sicherheit, Bildung) die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer der 1980er verfolgt hätten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Vorhandene Expertise sei wenig abgefragt worden.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Conrad Schetter Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“ — Kapitel 5: Die öffentlichen Anhörungen mit externen Sachverständigen

Drucksache: 20/10400

Fundstelle: S. 211 (Dokument insgesamt S. 209–241 (PDF-Seiten 331–363))

Art des Belegs: wörtliches Zitat

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Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens S. 1–2

Seit 2005 kontinuierlich verschlechterte Sicherheitslage; Zunahme ziviler Opfer auch 2020

Seit 2005 habe sich die Sicherheitslage landesweit kontinuierlich verschlechtert; auch 2020 sei dies an steigenden Zivilopfern (UNAMA) ablesbar. Auffällig sei, dass 2020 vor allem zivilgesellschaftliche Akteur:innen (Frauen-, Menschenrechts-, Justiz- und Journalismusvertreter:innen) gezielt angegriffen wurden, nicht nur durch Taliban und IS-K (Daesh), sondern auch durch in der Regierung vertretene politische Gruppierungen.

Thema: Lageeinschätzung stellungnahmen\04-schetter.json
Feststellung Teil 2, Kap. 1, Abschnitt 2.1 — Panel 1: Stadt-Land-Kluft S. 164–166

Sachverständige bestätigen tiefe Stadt-Land-Kluft; Taliban-Rückhalt v.a. ländlich, Misstrauen gegen Eliten

Übereinstimmend bestätigten die Sachverständigen (Dube, Mielke, Petersmann, Schetter, Zeino) eine tiefe Stadt-Land-Kluft: Loyalität zur Regierung vor allem urban; Taliban-Rückhalt vor allem in ländlich-paschtunischen Gebieten, auch wegen ihrer anti-elitären Selbstdarstellung und der ländlich wahrgenommenen Korruption von Staat und Justiz.

Thema: Lageeinschätzung abschlussbericht\teil2-kap1-doha-lage.json

Weiteres aus derselben Quelle

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Die Enquete-Kommission hörte in 11 öffentlichen Sitzungen 35 externe Sachverständige an, darunter ehemalige afghanische Ministerinnen, VN-Sonderbeauftragte, Bundeswehr-Führungskräfte, deutsche Diplomaten, eine Ministerin und zwei Minister sowie einen BND-Präsidenten. Die Kommission stellt ausdrücklich klar, dass sie sich die Bewertungen der Gäste nicht zu eigen macht.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: Enquete-Kommission enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
Sachverständige:r Kap. 5.1 — Beginn des Einsatzes 2001 S. 209

Steiner: Beteiligung Deutschlands am Afghanistan-Einsatz war aus Solidarität mit den USA und wegen NATO-Beistandspflicht „außer Frage“

Botschafter a. D. Michael Steiner, 2001 außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Schröder, sagte aus: Die Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen Al-Qaida und die Taliban sei aus Solidarität mit den USA und wegen der NATO-Beistandspflicht für die Bundesregierung außer Frage gestanden. Er sei wenige Tage nach dem 11.09.2001 im Auftrag des Kanzlers nach New York und Washington gereist.

Thema: Völkerrecht & Mandat September/November 2001 Akteure: Michael Steiner, Bundeskanzleramt, NATO enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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von Butler: Kurze Vorbereitungszeit für ISAF; fehlende zivile Kräfte als verpasste Chance

Generalleutnant a. D. Carl-Hubertus von Butler, Führer des ersten deutschen ISAF-Kontingents, berichtete: Die Bundeswehr habe von Oktober bis Dezember 2001 wenig Zeit für die Planung gehabt; sichtbare operative Vorbereitungen seien wegen des schwierigen politischen Entscheidungsprozesses weitgehend vermieden worden. Das habe die Soldatinnen und Soldaten einem besonderen Risiko ausgesetzt. Mit dem anfänglichen Übergewicht des Militärischen und fehlenden zivilen Kräften habe man eine Chance vertan, die Bevölkerung dauerhaft für das internationale Engagement zu gewinnen.

Thema: Ressortabstimmung 2001/2002 Akteure: Carl-Hubertus von Butler, Bundeswehr, ISAF enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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Steiner: 2002 Fehleinschätzung „Afghanistan sei militärisch gelaufen“; die Aufmerksamkeit sei zum Irak abgewandert

Steiner hob hervor, dass es 2002 die Fehleinschätzung gegeben habe, Afghanistan sei militärisch erledigt. Die USA hätten sich dem Irak zugewendet. Als „mit Abstand größter Faktor“ in Afghanistan habe das die internationale Aufmerksamkeit massiv reduziert. Deutschland habe damals eine „relativ schmale außenpolitische Achse“ gehabt und sei mit internationalem Terrorismus und Afghanistan völlig unvorbereitet konfrontiert worden.

Thema: Lehren für die Zukunft 2002 Akteure: Michael Steiner, USA enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
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