„Hier gilt es insbesondere schon laufende Prozesse und hier vor allem die Umsetzung des Civilian Compact zu unterstützen. Dazu gehört als Kern, die Ausstattung der zivilen Krisenreaktionsfähigkeit weiter zu verbessern. Hierzu sollten zum Beispiel auch innerhalb Deutschlands Prozesse etabliert werden, durch die sichergestellt wird, dass zivile Missionen durchweg mit angemessen ausgebildetem Personal ausgestattet werden können. … Von zentraler Bedeutung für die langfristige Effektivität der zivilen Komponente ist außerdem die unabhängige Evaluierung von zivilen GSVP-Missionen und die kontinuierliche Aufbereitung von ‚lessons learned‘ über die Missionen hinweg.“
Empfohlen werden: Umsetzung des Civilian Compact, bessere Ausstattung der zivilen Krisenreaktionsfähigkeit, gesicherte Bereitstellung angemessen ausgebildeten Personals in Deutschland, verstärkte Ausbildungsprogramme für zivile „Interoperabilität“ und vor allem unabhängige Evaluierung ziviler GSVP-Missionen sowie kontinuierliche Aufbereitung von „lessons learned“.
Dokument: Stellungnahme — Antworten zum Fragenkatalog der Clustergruppe 3 „Internationale Steuerung/Koordinierung/Einbindung“ der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“
Autor:in: Dr. Dirk Peters
PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Schon vor Einsatzbeginn bestehe die zentrale Herausforderung in unterschiedlichen sicherheitspolitischen Interessen und Traditionen der teilnehmenden Staaten; sie erschwerten bereits die gemeinsame Lagebeurteilung und führten zu Kompromissen bei Zielen und Mitteln, die der Wirksamkeit schaden könnten.
Im Verlauf eines Einsatzes drohten die Interessen der beteiligten Regierungen auseinanderzudriften, besonders wenn sich anfängliche Erwartungen nicht erfüllten und der unmittelbare Handlungsdruck nachlasse. Den Einsatz dann effektiv fortzuführen oder geordnet zu beenden, könne außerordentlich schwierig sein.
Nationale Vorbehalte („Caveats“), oft an parlamentarische Zustimmung geknüpft, beschränkten den Einsatz von Streitkräften stärker als das internationale Mandat und erschwerten die militärische Führung erheblich, weil neben Mandat und operationalen Notwendigkeiten immer auch die jeweiligen nationalen Einschränkungen berücksichtigt werden müssten.
Die unabhängige Evaluation internationaler Einsätze sei durch militärische Geheimhaltung und Misstrauen gegenüber externen Evaluatoren erschwert; auch die Verstetigung von „lessons learned“ sei schwierig, und Ad-hoc-Koalitionen trifft das stärker als organisationsgetragene Einsätze.
Es bestehe ein Zielkonflikt zwischen Größe (Legitimität, Kosteneinsparung) und Kohärenz (weniger Interessendivergenz) einer Einsatzkoalition; eng verbundene Staaten (etwa NATO-Mitglieder mit gemeinsamer Allied Joint Doctrine sowie gemeinsamer Ausbildung) könnten viele Probleme abfedern.