Legalisierungsidee (Senlis Council) scheiterte an Governance- und Preisrisiken
Originalstelle
„Das ist wegen der Gefahr, dass etwas ‚abgezweigt‘ wird, notwendig und auch, weil verlässliche Wirkstoffgehalte für medizinische Verwendungen entscheidend sind. Hinzu kommt das entwicklungspolitische Problem, dass in Afghanistan die Preise bei einer Legalisierung komplett eingebrochen wären, mit entsprechenden verheerenden sozialen Folgen für die mehreren Millionen Menschen, deren Auskommen (und Überleben) von diesen Einnahmen abhing. Schließlich wäre die Governance einer solchen Legalisierung und in der Folge notwendigen Lizenzierung kaum umzusetzen gewesen.“
Die Idee einer Legalisierung des afghanischen Opiums (Senlis Council, 2005) sei unter anderem an der schwierigen Kontrolle medizinischer Opiate, dem zu erwartenden Preisverfall mit verheerenden sozialen Folgen für Millionen Menschen und der schwer umsetzbaren Lizenzierungs-Governance gescheitert.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.