Bewertung3.4 Bündnis- und InstitutionendynamikenS. 33
Lead Nation-Konzept führte zur Kompartmentalisierung; Deutschland verwies pauschal auf UK-Zuständigkeit für Drogen
Originalstelle
„„Statt das Lead Nation-Konzept als primus inter pares (Erster unter Gleichen) zu verstehen, setzte ein exklusives Verständnis für die Verrantwortung für die jeweiligen Politikfelder ein, das in beide Richtungen wirkte. […] umgekehrt ließ Deutschland alle Finger von Aspekten, die auch nur entfernt mit Drogen zu tun hatten und verwies auf die ‚Verantwortung‘ Großbritanniens für dieses Politikfeld.“
Das Lead-Nation-Konzept sei exklusiv statt koordinierend interpretiert worden: UK habe sich nicht in die deutsche Polizeiausbildung eingemischt, Deutschland habe alle drogenbezogenen Aspekte UK überlassen. Das sei eine Verzerrung des eigentlich kooperativen Konzepts.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.