Bewertung3.2 Strategische und operative ProblemeS. 26–27
Britische Lead-Nation-Rolle innenpolitisch motiviert: Heroinproblem zuhause auf die Quelle projiziert
Originalstelle
„Berry beschreibt überzeugend, wie die heimische Zielsetzung, gegen die hohen Heroinkonsumentenzahlen in Großbritannien vorzugehen, die Entscheidung beeinflusste, Lead Nation für Anti-Drogenpolitik zu werden. In Tony Blairs Perspektive hatte sich die heimischen Drogen-Reduktionsmaßnahmen als schwierig erwiesen, und so bot die Intervention in Afghanistan eine Gelegenheit, die Drogenproblematik an ihrer Quelle zu adressieren.“
Die Entscheidung Tony Blairs, Lead Nation für Anti-Drogenpolitik zu werden, sei wesentlich von der britischen Innenpolitik zum Heroinkonsum motiviert gewesen; das übersehe, dass der Konsum in Großbritannien ursächlich nicht mit Afghanistan zusammenhing und Angebotsdefizite global anderswo gedeckt worden wären.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.