Sprayen, fehlende Koordination und ungewollte Spill-over verschoben Anbau statt ihn zu reduzieren
Originalstelle
„Speziell der politische Druck, durch Sprayen Ernten zu vernichten habe starken Widerstand bei Alliierten (insbesondere dem Vereinigten Königreich, vgl. Kapitel 5.1.3) und der afghanischen Regierung ausgelöst und damit mehr politischen Schaden angerichtet als operativ der Nutzen gewesen sei; Erntevernichtung sei nicht mit Ersatzprogrammen koordiniert worden, so dass Produzenten, deren Ernten vernichtet wurden, keine Möglichkeiten alternativer Einkommen gehabt hätten. Programme zur alternativen Entwicklung hätten zur Verdrängung von Lohnarbeitern in der Opiumagrarsparte geführt und auch den Anbau in Regionen verschoben, wo solche Programme nicht bestanden.“
Politischer Druck zum Sprayen habe besonders bei Briten und der afghanischen Regierung Widerstand ausgelöst; Erntevernichtung sei nicht mit Ersatzprogrammen koordiniert worden, alternative Entwicklungsprogramme hätten den Anbau in andere Regionen verschoben, und Bewässerungsprogramme hätten ungewollt zur Verbreitung des Opiumanbaus beigetragen.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.