US-Narrativ vom drogenfinanzierten Taliban-Aufstand sei aus politischen Gründen verstärkt worden
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„Allerdings gibt es Gründe, warum dieses Argument so stark geworden sein könnte: Erstens funktionierte es, um die Taliban zu dämonisieren; zweitens lenkte es von der Frage ab, über welche Finanzierung die Taliban (und, im weiteren Sinne der Annahmen, beide seien letztlich identisch, Al-Qaida) stattdessen verfügten (etwa aus den Golfstaaten, durch Abschöpfen von Transportgebühren auch von Gütertransporten der USA aus Pakistan, Besteuerung und Spenden). Drittens erlaubte es, die Welt einzuteilen in Feinde und Kooperationspartner, während die Wirklichkeit unvergleichlich komplexer und die Profitstrukturen erheblich verschachtelter waren.“
Das US-Narrativ, die Taliban erzielten einen erheblichen Anteil ihrer Finanzierung aus Opium, sei trotz schwacher Datenlage stark geworden, weil es die Taliban dämonisiert, von anderen Finanzierungsquellen abgelenkt und ein einfaches Feindbild ermöglicht habe. Dabei sei die Wirklichkeit ‚unvergleichlich komplexer‘ gewesen.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.