Sachverständige:r2.1 Entwicklung und TrendsS. 15–172002–2021
Drei Phasen der Drogenökonomie 2001–2021: Konsolidierung, Talibanaufstand, Distanz und Profitabschöpfung
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„Die Drogenökonomie während der beiden Interventionsdekaden lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen. Die erste Phase betrifft die Jahre 2002-2005/06. In diesen Jahren kehrten die Opiumproduktion ebenso wie die Anbaufläche in etwa auf das Niveau vor dem Verbot der Taliban zurück, das 2001 zu einem Einbruch der Produktionszahlen geführt hatte. Gleichzeitig steigt der Marktwert des Opiums wegen des vorangegangenen Verbots erheblich; zusätzlich dynamisiert sich der Markt, weil viele Bauern, die sich verschuldet hatten, wegen des Verbots ihre Schulden aber nicht zurückzahlen konnten, den Anbau intensivieren mussten.“
Die Drogenökonomie 2001–2021 lasse sich in drei Phasen teilen: 2002–2005/06 Rückkehr auf Vorverbotsniveau und Konsolidierung der Strukturen; 2006–2014 ansteigender Talibanwiderstand mit Anbau-Hoch und späteren Vernichtungsmaßnahmen; ab 2014/15 westliche Distanz und schrittweise Profitabschöpfung durch die Taliban.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.