Sachverständige:r2 Entwicklung der DrogenökonomieS. 142021–2022
Taliban setzten Cannabisverbot wegen Inlandskonsums leichter durch als beim Opium
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„Für die Volatilität im Anbau von Cannabis ist der Einfluss der Taliban entscheidender als etwa für Opium. Gerade weil Garda und Haschisch in Afghanistan konsumiert werden, fällt es den Taliban leichter, den Anbau zu unterbinden: Mit Fatwas und Verweisen auf den Verstoß gegen die religiösen Regeln gelingt es ihnen, Produzenten wie Händlern zu vermitteln, dass Anbau und Handel gegen religiöse Gebote verstoßen.“
Bei Cannabis sei der Einfluss der Taliban auf die Anbau-Volatilität entscheidender als bei Opium gewesen, weil Garda und Haschisch in Afghanistan selbst konsumiert würden; mit Fatwas und religiösen Argumenten hätten die Taliban Anbau und Handel zunehmend unterbinden können; 2021 sei das Verbot umfassend geworden, 2022 landesweit.
Deutschland habe sich gegenüber der Drogenökonomie sehr zurückhaltend verhalten und sich darauf zurückgezogen, dass dafür im Lead-Nation-Konzept das Vereinigte Königreich bzw. die afghanische Regierung zuständig seien.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Intervention hätten den Aufbau staatlicher Rentiersstrukturen begünstigt, die von illegalen Drogenrentiersstrukturen gespiegelt worden seien.
Empfohlen werden ein institutionelles Gedächtnis für künftige Einsätze, ein internationaler Lernprozess auf diplomatischem Weg sowie klar definierte und fair geteilte Verantwortung in multilateralen Einsätzen.
Die Opiumökonomie sei nicht durch die Intervention ab 2001 verursacht, aber die Interventionspolitik habe Bedingungen geschaffen, die sie häufig begünstigt hätten; günstige Bedingungen reichten bis vor 1979 zurück.
Thema: Lehren für die Zukunftvor 1973 bis 2021enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Der weitaus größte Teil der Wertsteigerung des Opiums entstehe auf dem Transportweg und im Konsumland; bei den afghanischen Bauern kämen nur 1–2 Prozent des Straßenverkaufswerts an.