Sachverständige:rKap. 4.2.3 — Drogenbarone in der PolitikS. 24
Karzais Bruder Ahmad Wali und prominente Gouverneure (Akhundzada, Sherzai, Noor, Raziq) in Drogenökonomie verstrickt
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„Viele Familienclans (u.a. Karzais Bruder Ahmad Wali Karzai, damaliger Vorsitzender des Provinzrates in Kandahar) waren direkt in die Opiumökonomie verstrickt, und mächtige Drogenbarone nahmen über staatliche Ämter Einfluss auf die Politik … Zu nennen sind etwa Sher Mohammad Akhundzada (Governeur von Helmand), Gul Agha Sherzai (Governeur von Nangarhar und Kandahar), General Abdul Raziq (Polizeichef von Kandahar), Atta Mohammad Noor (Gouverneur von Balkh)“
Zahlreiche Familienclans, darunter Karzais Bruder Ahmad Wali (Vorsitzender Provinzrat Kandahar), waren direkt in die Opiumökonomie verstrickt. Mächtige Drogenbarone nahmen über staatliche Ämter Einfluss: Sher Mohammad Akhundzada (Helmand), Gul Agha Sherzai (Nangarhar und Kandahar), General Abdul Raziq (Polizeichef Kandahar), Atta Mohammad Noor (Balkh-Gouverneur), Juman Khan Hamdard (Paktia und Baghlan), Hazrat Ali (Nangarhar). Selbst Verantwortliche der Drogenbekämpfung (Daud Daud, Baz Mohammad Ahmadi) galten als verstrickt; Afghanistan wurde zum „Narco State”.
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.