US sanktionierten 2023 ehem. afghanischen Parlamentssprecher Rahmani; Bauprojekte auch in Baden-Württemberg und Hessen
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„Prominentester Fall war, dass die US-Regierung den ehemaligen Sprecher der afghanischen Wolusi Jirga, Rahman Rahmani und dessen Sohn, Ajmal Rahmani, Mitte Dezember 2023 mit Sanktionen aufgrund erwiesener transnationaler Korruption belegte (Fuchs & Haqiqat, 2024). Ajmal Rahmani führte auch Baupropojekte in Baden-Württemberg und Hessen durch. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft gegenwärtig, inwiefern deren Geschäften strafbare Handlungen vorausgegangen sind.“
Im Dezember 2023 verhängten die USA Sanktionen gegen den ehemaligen Sprecher der Wolusi Jirga, Rahman Rahmani, und seinen Sohn Ajmal Rahmani wegen erwiesener transnationaler Korruption. Ajmal Rahmani führte auch Bauprojekte in Baden-Württemberg und Hessen aus. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft, ob diesen Geschäften strafbare Handlungen vorausgingen. Rahman Rahmani war einer der wichtigsten Treibstoffhändler in Afghanistan.
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.