Einfuhren statt lokal: 4 Mrd. US-Dollar Zementimport aus Pakistan, Halo-Trust-Hunde aus Thailand
Originalstelle
„„Für den Wiederaufbau braucht man eine Menge Zement. (…) Und wir haben mit der Weltbank, der EU und Deutschland darüber gesprochen. Die haben gesagt: ‚Die [afghanischen] Fabriken verwenden veraltete Technologie. Wir fahren besser damit, wenn wir den Zement importieren. So gingen vier Milliarden US-Dollar nach Pakistan, von denen fast die gesamte Summe Afghanistan hätte zugute kommen können“ … „Diese Hunde [zur Minenbeseitigung] kosten 15.000 bis 25.000 US-Dollar pro Stück. (...) Aber warum importiert man sie aus Thailand, wenn man Hunde in Afghanistan ausbilden kann?““
Geber verzichteten oft auf lokale Beschaffung: Zementimporte aus Pakistan (~4 Mrd. US-Dollar) statt afghanische Fabriken zu nutzen; Halo Trust importierte Minensuchhunde (15.000–25.000 US-Dollar pro Stück) aus Thailand statt sie in Afghanistan auszubilden. Eine deutsche DO bestellte das gesamte Mobiliar bei Ikea ein und flog es ein. Das war viel teurer als lokale Handwerker und ungeeignet für afghanische Witterung. US-Armee importierte bis 2010 sogar Trinkwasser aus Nachbarländern.
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.