ARTF 2002–2020: ~12,43 Mrd. US-Dollar (Weltbank-verwaltet); Deutschland fast 1 Mrd. US-Dollar; SIGAR 2018 deckte Missstände auf
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„Bis zum 21. Juli 2020 hatten nach Angaben der Weltbank 34 Geber fast 12,43 Milliarden US-Dollar in den ARTF eingezahlt (SIGAR, 2020-QR-4). Deutschland war neben den USA, dem Vereinigten Königreich und der EU einer der vier größten Geber und zahlte in diesem Zeitraum fast eine Milliarde US-Dollar in den ARTF ein … Ein Bericht von SIGAR aus dem Jahr 2018 (SIGAR 18-42) deckte erhebliche Missstände in Bezug auf Verschwendung, Betrug und Missbrauch der Mittel auf.“
Der Afghanistan Reconstruction Trust Fund (ARTF, Weltbank) erhielt bis Juli 2020 ~12,43 Mrd. US-Dollar von 34 Gebern; Deutschland war mit knapp 1 Mrd. US-Dollar viertgrößter Geber. SIGAR deckte 2018 erhebliche Missstände auf, kritisierte mangelnde Transparenz der Weltbank. Internationale Expert:innen sahen den deutschen Ansatz als „zu zurückhaltend” bei Korruptionsbekämpfung; andere lobten die GIZ-Praxis (eigene externe Überwachung).
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.