2001–2021: 95 Mrd. US-Dollar ODA für zivilen Wiederaufbau; USA 38,8 Mrd., Deutschland zweitgrößter Geber mit 7,8 Mrd. US-Dollar
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„Zwischen 2001 und 2021 gab die internationale Gemeinschaft 95 Milliarden US-Dollar ODA-Gelder für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan aus … Nach Angaben der OECD gaben die USA 38,826 Milliarden US-Dollar aus, gefolgt von Deutschland an zweiter Stelle (7,775 Mrd. US-Dollar) der Geberländer. … Zum Vergleich zu den zivilen Wiederaufbaumitteln gaben die USA für den Aufbau des afghanischen Sicherheitssektors und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zwischen 2002 und 2019 insgesamt 86,38 Milliarden US-Dollar – also weit über das Doppelte aus“
Zwischen 2001 und 2021 flossen ca. 95 Mrd. US-Dollar ODA-Gelder in den zivilen Wiederaufbau Afghanistans; die USA waren mit 38,8 Mrd. mit Abstand größter Geber, Deutschland zweitgrößter Geber (7,775 Mrd. US-Dollar). Die USA gaben zusätzlich 86,4 Mrd. US-Dollar (2002–2019) für den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte aus, also über das Doppelte der zivilen Mittel. Höchste Ausgaben in den COIN-Jahren 2009–2012.
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.