~40 % der afghanischen Parlamentarier sollen in Drogenhandel oder Schmuggel verwickelt gewesen sein
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„Schätzungen zufolge waren etwa 40 Prozent der afghanischen Parlamentarier:innen in Drogenhandel oder andere Formen des Schmuggels verwickelt, was die Tiefe der Korruption und Verstrickung in allen politischen Bereichen verdeutlicht (Schmeidl, 2016). … Bis 2016 erwirtschaftete die afghanische Regierung weniger als 0,7% ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus diesen Einnahmen [Bergbau] – ein vernachlässigbarer Betrag.“
Schätzungen zufolge waren ca. 40 % der afghanischen Parlamentarier:innen in Drogenhandel oder Schmuggel verwickelt; 2010 entdeckten US-Geologen Bodenschätze von über 1 Billion US-Dollar Wert, doch bis 2016 erwirtschaftete die Regierung weniger als 0,7 % ihres BIP aus diesen Einnahmen. Illegaler Bergbau (~1.400 Standorte 2012) wurde Einnahmequelle für kriminelle und bewaffnete Gruppen, einschließlich der Taliban (geschätzt 50 % der Mineneinnahmen Mitte 2016).
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.