Opium: Afghanistans Anteil 1980 ~20 %, Ende 1990er >70 % weltweit; das Taliban-Verbot 2000/01 senkte Produktion auf 185 Tonnen
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„Der Anteil Afghanistans an der Opiumproduktion stieg von etwa 20% im Jahr 1980 auf über 70% zum Ende der 1990er Jahre (UNODC, 2002, S. 2). Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges 1994 erreichte die geschätzte Opiumproduktion 3.400 Tonnen und stieg während der Taliban-Herrschaft auf 4.600 Tonnen im Jahr 1999 (UNODC, 2002). … Den Taliban gelang es im Jahr 2000/1, die Opiumproduktion fast auf null zurückzufahren, was jedoch ein einmaliges Ereignis blieb“
Afghanistans Anteil an der weltweiten Opiumproduktion stieg von ~20 % (1980) auf >70 % (Ende 1990er); 1994 lag die Produktion bei 3.400 Tonnen, 1999 unter den Taliban bei 4.600 Tonnen. Den Taliban gelang es 2000/01, die Opiumproduktion fast auf null (185 Tonnen) zurückzufahren. Das war ein einmaliges Ereignis; 2002 stieg sie wieder auf 3.400 Tonnen. Drogenökonomie wurde Basis transnationaler kriminelle Netzwerke.
Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) — wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags / der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”
Korruption, Klientelismus und Patronage (KKP) seien in allen Gesellschaften vorhanden, dominierten aber besonders in fragilen Staaten mit Bürgerkriegserfahrung, ethno-religiösen Konflikten und schwachen Institutionen. Eliten nutzen KKP zur Machtsicherung. Gleichzeitig untergräbt KKP das Vertrauen in den Staat und führt zu weiterer Instabilität.
Der Kriseneinsatz habe es nicht geschafft, KKP-Logiken durch andere Spielregeln (v.a. Gute Regierungsführung) zu ersetzen. Gegenmaßnahmen begrenzten KKP innerhalb internationaler Organisationen, erwirkten aber kaum Verhaltensänderungen im afghanischen Staatsapparat. KKP sei aber eher Symptom als Ursache für das Scheitern des Einsatzes gewesen.
Alle deutschen Organisationen einschließlich der Bundeswehr hätten bestimmte Patronagesysteme in Afghanistan gefördert; dies habe die sozioökonomische Ungleichheit zwischen Interventionsprofiteuren und der restlichen Gesellschaft verstärkt. Innerhalb der Bundesregierung verfolgten die vier Ressorts unterschiedliche Politiken, die von Ausblendung bis Ambivalenz reichten.
Zu viele Finanzressourcen bei zu geringer afghanischer Absorptionskapazität hätten die „große Korruption” v.a. in den Treuhandfonds befördert. Die größten finanziellen Verluste seien jedoch durch Ressourcenineffizienz entstanden: schlecht geplante oder durchgeführte Projekte, Unterauftragsketten, überhöhte Preise, Geldrückflüsse in die Geberländer.
Im Juli 2010 wurde der Betrugsfall der Kabul Bank, der damals größten Privatbank, bekannt: Sie funktionierte wie ein Schneeballsystem, verlieh hunderte Millionen US-Dollar an fiktive Unternehmen politisch einflussreicher Patronagenetzwerke. Über die Bank flossen US-Gelder für ANSF-Gehälter und wurden teilweise für die betrügerischen Kredite abgezweigt. Hauptbegünstigte waren u.a. Mahmoud Karzai (Bruder des Präsidenten) und Haseen Fahim (Bruder des Vizepräsidenten). Schaden: ca. 982 Mio. US-Dollar.