Mangelndes Wissen über tatsächliche Lage in Afghanistan ließ Lücke zwischen Strategie und operativer Ebene entstehen
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„Mangelndes Wissen über die tatsächliche Lage in Afghanistan ließ eine Lücke zwischen politisch-strategischer und operativer Ebene entstehen. Ein realitätsnahes Bild politisch-strategischer Zielerreichung zu generieren, blieb über die Dauer des Einsatzes hinweg schwierig. So war es auf beiden Ebenen kaum möglich, die Wirkungen jenseits der Output-Ebene kenntlich zu machen. Teilweise gab es in den Ressorts auch keine Wirkungsanalysen im eigentlichen Sinne. Unzureichend war deshalb bekannt, ob bzw. wieweit man den gesteckten Zielen nähergekommen war. Potenzielle und nicht-intendierte negative Wirkungen wurden somit kaum erkannt, ein möglicher Umgang mit ihnen verpasst.“
Zentrale Feststellung der Kommission: Mangelndes Wissen über die tatsächliche Lage in Afghanistan erzeugte über die gesamte Einsatzdauer eine Lücke zwischen politisch-strategischer und operativer Ebene; Wirkungen jenseits der Output-Ebene waren kaum erkennbar; in den Ressorts gab es teils keine Wirkungsanalysen im eigentlichen Sinne; nicht-intendierte negative Wirkungen wurden kaum erkannt.
Mangelndes Wissen über die tatsächliche Lage in Afghanistan ließ Lücken zwischen politisch-strategischer und operativer Ebene entstehen. Wirkungen jenseits der Output-Ebene waren kaum erkennbar; nicht-intendierte negative Wirkungen wurden kaum erkannt. Ressortübergreifende Strategie in ressortspezifische Strategien herunterbrechen, Wirkungsannahmen mit Indikatoren untermauern. Wirkungskontrollen mindestens zur Hälfte und zum Ende eines Mandatszeitraums. OECD-DAC-Kriterien (Outcomes statt Output).
Künftige deutsche Auslandsengagements brauchen eine klar ausformulierte Strategie, die nicht nur das Ziel benennt, sondern auch die im Zielzustand erwarteten Wirkungen. Sie dient als Grundlage für Wirkungskontrolle, Anpassung und Exit-Kriterien. Ziele müssen ressortgemeinsam abgestimmt sein; ziviles Engagement ist von Anfang an integraler Bestandteil.
Hinweis: Zu diesem Abschnitt liegt ein Sondervotum der CDU/CSU-Fraktion und der Sachverständigen Prof. Dr. Carlo-Antonio Masala, Jörg Vollmer und Dr. Ellinor Zeino vor.
Komplexe vernetzte Einsätze brauchen kontinuierliches Monitoring der Sicherheitslage, ein realistisches politisch-militärisches Lagebild, Wirkungs- und Risikoabschätzung und Identifikation möglicher Partner. Dies soll konfliktsensibel und unter Einbeziehung von AA, BND, BMZ, BMI, BMWK und Verbündeten.
Die Kommission empfiehlt, bei Blockaden des VN-Sicherheitsrats völkerrechtskonforme Alternativen zu nutzen, etwa kollektive Selbstverteidigung (Art. 51 VN-Charta) oder den Uniting-for-Peace-Mechanismus (UN-Doc. A/RES/377(V)). Art. 87a GG soll Ausnahmeregelung bleiben.
Ad-hoc-Koalitionen außerhalb kollektiver Sicherheitssysteme sind verfassungs- und völkerrechtlich problematisch, aber Realität. Als Kompromiss empfiehlt die Kommission die Aktivierung des Art. 44 EUV: einstimmiger Ratsbeschluss zur Beauftragung einer Gruppe von EU-Mitgliedstaaten mit einer militärischen Operation.
Internationale Koordinierung braucht kontinuierliche Abstimmung zu Kohärenz, Effizienz, Solidarität (burden sharing) und Akzeptanz. Aus Afghanistan ist gelernt: Ziele und Lagebilder waren nicht ausreichend abgeglichen, Ressourcen nicht effizient abgestimmt, Lastenverteilung schief, lokale Akzeptanz mangelhaft. Bewertungsparameter: Kohärenz, Bündnissolidarität, Effizienz, gesellschaftliche Akzeptanz.