Empfehlung5.1 — Externe Impulse zur Zukunft des integrierten EngagementsS. 69
Rotmann: Stärkere Wirkungsorientierung und Lernkultur; das Parlament solle Auftragsforschung häufiger nutzen
Originalstelle
„Rotmann erkannte an, dass die Ressorts im Bereich der Wissens- und Fehlerkultur in den vergangenen 10 bis 15 Jahren innovativ gewesen seien. Jedoch würde „noch nicht in der praxisrelevanten Geschwindigkeit und Zielgerichtetheit sowie in der notwendigen Tiefe erforscht, welche Maßnahmen und Strategien zur Konfliktbewältigung funktionieren, und deren Lehren ressortübergreifend zusammengeführt“. In den Evaluierungen der Ressorts würden oft nicht die richtigen Fragestellungen untersucht, da sie nicht effektiv an die politische Ebene angebunden seien. Das Parlament solle „mit Nachdruck eine stärkere Wirkungsorientierung und Lernkultur einfordern“.“
Rotmann erkannte an, dass die Ressorts in Wissens- und Fehlerkultur in den vergangenen 10 bis 15 Jahren innovativ gewesen seien, jedoch werde „noch nicht in der praxisrelevanten Geschwindigkeit und Zielgerichtetheit” erforscht, welche Maßnahmen zur Konfliktbewältigung funktionierten. Evaluierungen untersuchten oft nicht die richtigen Fragestellungen, weil sie nicht effektiv an die politische Ebene angebunden seien. Das Parlament solle „mit Nachdruck eine stärkere Wirkungsorientierung und Lernkultur einfordern”; Parlament und Exekutive sollten häufiger Auftragsforschung nutzen.
Dokument: Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands”, Kapitel 5 — Die öffentlichen Anhörungen mit externen Sachverständigen
Drucksache: 20/14500
Fundstelle: S. 69 (Dokument insgesamt S. 68–82 (PDF-Seiten 70–84))
Art des Belegs: sinngemäße Wiedergabe (Paraphrase)
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Sachverständige:r5.1 — Externe Impulse zur Zukunft des integrierten EngagementsS. 68
Philipp Rotmann (Global Public Policy Institute, Berlin) erklärte in der Anhörung am 19.02.2024: Integrierte Strategien benötigten zwei sich ergänzende Elemente: eine systematische länderspezifische Politik („gezielter Einsatz aller relevanten Mittel zum Erreichen eines konkreten Ziels im Einsatzland”) und einen daraus abgeleiteten Strom kontextspezifischer Analysen. Investitionen in Analyse und Evaluierung würden nur dann Wirkung entfalten, wenn ein strategisches politisches Fundament getragen werde.
Rotmann empfahl, in der Regierung zentrale integrierte Strukturen für das Internationale Krisenmanagement zu schaffen, da die Ressorts diese Aufgabe weder allein noch gemeinsam übernehmen könnten. Aus seiner Sicht wäre das Kanzleramt der „logische Ort für eine integrierte Führungsrolle”. Alternativ käme das Modell einer oder eines hochrangigen Sonderbeauftragten der Bundesregierung mit starkem politischen Mandat, Zugang zu Kanzler/-in und Kabinett sowie integriertem Stab aus den Ressorts infrage.
Auch das Parlament benötige laut Rotmann einen zentralen Ort, „wo die Gesamtverantwortung für Erfolg und Scheitern der deutschen Bemühungen um eine bestimmte Krise inhaltlich bearbeitet wird”. Das Gremium müsse genügend Gewicht haben, um Minister/-innen und Staatssekretär/-innen regelmäßig öffentlich zu befragen und strategische Kernfragen nichtöffentlich beraten zu können. Empfohlen wurden entweder die Einrichtung eines gemeinsamen Ausschusses (mit Doppel-Mitgliedschaft in den relevanten Fachausschüssen) oder die federführende Übernahme durch den Auswärtigen Ausschuss.
Robin Schroeder (Stabilisation Platform, Berater AA) betonte, Krisenmanagement müsse künftig unter veränderten Rahmenbedingungen gestaltet werden: heterogene, nicht immer gleich gesinnte Akteure; USA stünden für Stabilisierungs-Führung nicht mehr wie bisher zur Verfügung; Bedeutung der VN drohe zu sinken. Von Deutschland werde durch internationale Partner immer häufiger eine koordinierende oder führende Rolle erwartet. Er sprach sich für die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrates aus und befürwortete die Vorschläge von Rotmann.
Schroeder erläuterte, der Vernetzte Ansatz müsse in erster Linie Wege finden, das Verhalten von Gewaltakteuren („Powerbroker und deren bewaffnete Helfer”) gezielt zu ändern und politische Konfliktlösungen zu unterstützen, auch wenn diese nicht den eigenen Idealvorstellungen entsprächen. Stabilisierung wirke mittels maßgeschneiderter Projekte auf den Krisenkontext ein und sei „jenes Bindeglied zwischen Sicherheit und Entwicklungszusammenarbeit, das in Afghanistan oft fehlte”. Internationale Sicherheitskräfte könnten nur temporär und räumlich begrenzt ein sicheres Umfeld schaffen; entscheidend seien die lokalen Sicherheitskräfte.