Dr. Thomas de Maizière, Chef des Bundeskanzleramtes 2005–2009, BMI 2009–2011/2013–2018, BMVg 2011–2013, fasste fünf Bewertungen: (1) militärische Stärke der Taliban unterschätzt, politische Kraft der afghanischen Regierung überschätzt; (2) der Einsatz sei in Deutschland mit „seiner harten Seite bis zum Tanklaster-Fall total verdrängt“ worden, der Begriff „Stabilisierungseinsatz“ vernebele Kampfeinsatz; (3) zu große Zumutungen für Bundeswehr, fehlende Ausrüstung (Kampfhubschrauber); (4) Afghanistan sei kein richtiger Nationalstaat; (5) Bewertung nur gemeinsam mit NATO und Partnern möglich. Plädoyer für Nationalen Sicherheitsrat.
„Bestimmte besorgniserregende Entwicklungen konnte man nicht zum Gegenstand einer öffentlichen Berichterstattung machen. Und wenn man für die Fortsetzung des Einsatzes wirbt, dann wird man natürlich so beschreiben, dass die Fortsetzung des Einsatzes Sinn macht.“
Im Herbst 2008 berichtete der deutsche PRT-Kommandeur in Kunduz, dass sich die Bedrohungslage in der Provinz seit einem Jahr erheblich verschärft habe, dass ISAF die Initiative verloren habe. In Berlin erhielten die Obleute nur abwiegelnde Antworten. Der ehemalige Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus erinnert sich, die Bundesregierung versuchte, „die Entwicklungen im Einsatzgebiet besser darzustellen als sie waren“. Thomas de Maizière (Ex-Kanzleramts-, Innen- und Verteidigungsminister) bestätigte dies.