Originalstelle„Im Jahr 2010 nahm der deutsche Sonderbeauftragte Michael Steiner einen, in Abstimmung mit dem erfahrenen US-Diplomaten Richard Holbrooke gemeinsam …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Im Jahr 2010 nahm der deutsche Sonderbeauftragte Michael Steiner einen, in Abstimmung mit dem erfahrenen US-Diplomaten Richard Holbrooke gemeinsam entwickelten, diskreten Gesprächskanal mit Taliban-Vertretern auf, die mutmaßlich über einen direkten Zugang zu deren Führer, Mullah Omar, verfügten. Ziel der deutschen Gesprächsbemühungen war es, im Vergleich zur Forderung der Taliban in umgekehrter Reihenfolge zunächst sich in Verhandlungen auf ein inklusives Regierungsmodell zu einigen, um nachfolgend mit dem internationalen Truppenabzug zu beginnen. Darüber hinaus sollte den Taliban erlaubt werden, ein Verbindungsbüro in Doha (Katar) zu eröffnen.“
Im Jahr 2010 nahm der deutsche Sonderbeauftragte Michael Steiner einen, in Abstimmung mit dem US-Diplomaten Richard Holbrooke gemeinsam entwickelten, diskreten Gesprächskanal mit Taliban-Vertretern auf, die mutmaßlich über einen direkten Zugang zu Mullah Omar verfügten. Ziel: zunächst Verhandlungen über inklusives Regierungsmodell, dann Truppenabzug. Den Taliban sollte ein Verbindungsbüro in Doha erlaubt werden.
Originalstelle„Drittens, nach der Ermordung des Vorsitzenden des Hohen Friedensrates, Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, am 20. September 2011, sah Präsident Hamid …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Drittens, nach der Ermordung des Vorsitzenden des Hohen Friedensrates, Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, am 20. September 2011, sah Präsident Hamid Karzai, auch auf Druck der Nordallianz, von weiteren Verhandlungsschritten ab. Als wegen einer provokanten Flaggenzeremonie das gerade erst eröffnete Büro der Taliban im Juni 2013 auf Karzais Drängen hin wieder geschlossen wurde, versandete der zunächst verheißungsvoll anmutende Prozess.“
Drei Umstände ließen den Prozess 2013 scheitern: (1) Holbrooke verstarb unerwartet im Dezember 2010, Deutschland verlor den wichtigsten Garanten. (2) Nach Tötung Bin Ladens am 2. Mai 2011 erhielt in Washington die Hoffnung auf einen militärischen Durchbruch neuen Auftrieb. (3) Nach der Ermordung von Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani am 20. September 2011 sah Karzai von weiteren Verhandlungsschritten ab. Im Juni 2013 wurde das gerade eröffnete Doha-Büro auf Karzais Drängen wieder geschlossen.
Originalstelle„[Bonner Abkommen] mündete in eine Verfassung, die ein stark zentralisiertes präsidentielles Regierungssystem in einem multiethnischen Land einführte …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„[Bonner Abkommen] mündete in eine Verfassung, die ein stark zentralisiertes präsidentielles Regierungssystem in einem multiethnischen Land einführte, indem eine riesige Kluft zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung herrschte und kein zentralisiertes demokratisches System existierte. … Wie der Exekutivdirektor von Integrity Watch Afghanistan, Ikram Afzali, gegenüber SIGAR erklärte, wurden die staatlichen Institutionen, anstatt Dienstleistungen für die Bürger zu erbringen, zu „Motoren, die die Korruption erleichterten und die Interessen der Eliten sicherten”. … Wie der ehemalige SRAP Richard Holbrooke 2009 feststellte, unterminierte die Korruption die Regierung und bot den Taliban eine „riesiges Rekrutierungspotenzial”. … Geberzuschüsse in Höhe von jährlich mindestens 8,6 Milliarden Dollar … finanzierten den Haushalt der afghanischen Regierung zu mehr als der Hälfte. Berücksichtigt man neben der haushaltsgebundenen Hilfe auch die haushaltsexterne Hilfe, so machte die ausländische Hilfe fast 80 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben Afghanistans in Höhe von 11 Milliarden Dollar aus.“
Das aus Bonn hervorgegangene stark zentralisierte präsidiale System sei strukturell unpassend gewesen für ein multiethnisches Land mit großer Stadt-Land-Kluft. Staatliche Institutionen wurden laut Integrity Watch zu „Motoren, die die Korruption erleichterten und die Eliten sicherten”. Holbrooke 2009: Korruption habe den Taliban ein „riesiges Rekrutierungspotenzial” geboten. Geberzuschüsse von mind. 8,6 Mrd. $/Jahr finanzierten den Staatshaushalt zu >50 %; unter Einbezug haushaltsexterner Hilfe stellte ausländische Hilfe rund 80 % aller öffentlichen Ausgaben (11 Mrd. $).