Bridge the Gap.

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O. W.

In 8 Aussagen genannt.

Feststellung Teil 2, Kap. 3, Abschnitt 1.1.1 — Auftragsprofil BND S. 277–278

Anpassung des Auftragsprofils der Bundesregierung (APB) im Frühjahr 2020: „neue Schwerpunktsetzung” in anderer Region, Afghanistan-Außenstelle wurde geschlossen

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„Aus einer Vorlage zur Entscheidung an den Präsidenten des BND Dr. Kahl vom 25. Mai 2020 geht hervor, dass das APB im Frühjahr 2020 angepasst wurde. …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Aus einer Vorlage zur Entscheidung an den Präsidenten des BND Dr. Kahl vom 25. Mai 2020 geht hervor, dass das APB im Frühjahr 2020 angepasst wurde. In der Folge gab es eine „neue Schwerpunktsetzung” mit Priorisierung in einer anderen Region. … es lag nicht daran, dass Afghanistan „abgegradet” wurde, sondern dass da halt ein zweiter Bedarf entstand und die begrenzten Ressourcen geprüft und neu verteilt werden mussten.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 277–278 (Original, neues Fenster)

Eine VzE an BND-Präsident Kahl vom 25.05.2020 dokumentiert eine Anpassung des Auftragsprofils der Bundesregierung im Frühjahr 2020: eine andere Region erhielt höhere Priorität. Der BND-Zeuge O. W. stellte klar, Afghanistan sei nicht „abgegradet” worden; die begrenzten Ressourcen seien jedoch neu verteilt worden. In der Folge wurde eine Residenturaußenstelle in Afghanistan im Oktober 2020 geschlossen.

Thema: Nachrichtendienste Frühjahr / Oktober 2020 Akteure: BND, Dr. Kahl, O. W. abschlussbericht\teil2-kap3-lageentwicklung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 3, Abschnitt 1.1.2 — Sachgebiet LBAE S. 281

BND-Sachgebiet LBAE (Militär und Sicherheitslage AFG) am 17.08.2020 „chronisch unterbesetzt”; keine detaillierte Berichterstattung auf taktischer Ebene flächendeckend möglich

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„So vertrat der Zeuge in einer E-Mail an den Leitungsstab im BND am 17. August 2020 den Standpunkt, dass eine „detaillierte” Berichterstattung zur …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„So vertrat der Zeuge in einer E-Mail an den Leitungsstab im BND am 17. August 2020 den Standpunkt, dass eine „detaillierte” Berichterstattung zur Sicherheits- und Bedrohungslage auf „taktischer Ebene” nicht für sämtliche Regionen Afghanistans erfolgen könne. Das Sachgebiet LBAE sei schon seit längerem „chronisch unterbesetzt”.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 281 (Original, neues Fenster)

Das BND-Sachgebiet LBAE (Militär, Sicherheitslage, Militante Opposition für Afghanistan) sei laut einer E-Mail des Sachgebietsleiters O. W. vom 17.08.2020 „chronisch unterbesetzt” gewesen; eine detaillierte taktische Berichterstattung zur Sicherheits- und Bedrohungslage habe nicht für sämtliche Regionen Afghanistans erfolgen können.

Thema: Nachrichtendienste 2020-08-17 Akteure: BND, O. W. abschlussbericht\teil2-kap3-lageentwicklung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 3, Abschnitt 1.2.1 — Szenario 2013 S. 287

BND-Szenarienanalyse „Afghanistan 2020” (aus 2013): Wenn internationale Unterstützung nachlässt, können ANSF Staatsstrukturen nicht halten

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„Schon da [2013] wurde strategisch gesagt: „Wie sieht denn Afghanistan 2020 aus? Welche Szenarien können wir uns vorstellen?”, „und es war halt ein …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Schon da [2013] wurde strategisch gesagt: „Wie sieht denn Afghanistan 2020 aus? Welche Szenarien können wir uns vorstellen?”, „und es war halt ein Szenario: Wenn die Unterstützung nachlässt - was wir ja jetzt brutal hatten, Abzug -, dann können die afghanischen Sicherheitskräfte die Struktur des Staates nicht mehr aufrechterhalten.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 287 (Original, neues Fenster)

Bereits 2013 erstellte der BND eine Szenarienanalyse „Afghanistan 2020”, die feststellte: Bei nachlassender Unterstützung der afghanischen Streitkräfte durch die Koalitionskräfte könnten die ANSF die staatlichen Strukturen nicht aufrechterhalten. Nach Aussage des BND-Sachgebietsleiters O. W. trat genau diese Bedingung angesichts des Abzugs ein.

Thema: Lageeinschätzung 2013 Akteure: BND, O. W. abschlussbericht\teil2-kap3-lageentwicklung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 3, Abschnitt 1.2.4 — Kampfkraft ANDSF S. 290–292

BND zu Kipppunkt ANDSF: ab 2016 mehr Abgänge als Rekrutierungen; Soll-Stärke wurde nie erreicht

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„Zwei Faktoren, die dabei aus unserer Sicht eine große Rolle gespielt haben, sind einerseits, dass die Personalstärke etwa im Bereich 2015/2016 einen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Zwei Faktoren, die dabei aus unserer Sicht eine große Rolle gespielt haben, sind einerseits, dass die Personalstärke etwa im Bereich 2015/2016 einen Kipppunkt erreicht hatte. 2015 hatten wir noch mehr Rekrutierungen als Abgänge. 2016 hatte sich das umgekehrt. Da hatten wir das erste Mal mehr Abgänge als Rekrutierungen. Und das setzte sich dann in den Folgejahren 2017, 2018, 2019 fort, sodass die Iststärke immer weiter absank im Verhältnis zur Sollstärke.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 290–292 (Original, neues Fenster)

Laut BND-Sachgebietsleiter O. W. hätten die ANDSF im Bereich 2015/2016 einen Kipppunkt erreicht: ab 2016 mehr Abgänge als Rekrutierungen, die Iststärke der „Boots on the Ground” sank kontinuierlich. Zweiter Faktor: nachlassende Motivation seit Beginn der Doha-Verhandlungen 2018, weiter verstärkt durch die Biden-Abzugsentscheidung April 2021 und die Räumung von Bagram. Die ANDSF hätten dennoch „oft lange und intensiv gekämpft, bis Logistik zusammengebrochen und keine politische Rückendeckung mehr da war”.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte Akteure: BND, O. W. abschlussbericht\teil2-kap3-lageentwicklung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 7, 2.4.1 — BND-Basisszenario S. 514–516

BND-Basisszenario Anfang August 2021: Einnahme Kabuls vor 11.09. „eher unwahrscheinlich“ (20–50 %)

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„Und wir haben daraus gesagt: Es dauert 30 bis 90 Tage. - Und wir haben dann gesagt: Für uns ist es eher unwahrscheinlich, dass die Taliban vor diesem Termin Kabul einnehmen.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 514–516 (Original, neues Fenster)

Zeuge O. W. (BND, Sachgebietsleiter): Der BND hielt Anfang August eine Einnahme Kabuls vor dem 11.09.2021 für „eher unwahrscheinlich“ (in BND-Terminologie: 20–50 % Eintrittswahrscheinlichkeit). Grundlage: Taliban-Sprecher Schahin hatte angekündigt, Kabul nicht militärisch einzunehmen, sondern in 30–90 Tagen „friedlich übernehmen“ zu wollen, bestätigt durch ND-Aufkommen Anfang August. US-Präsident Biden hatte den 11.09. als Endabzugsdatum genannt; aus innenpolitischen Gründen sei für die USA ein Talibanflagge-Szenario am 9/11 „fatal“.

Thema: Nachrichtendienste Anfang August 2021 Akteure: BND, O. W. abschlussbericht\teil2-kap7-evakuierung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 7, 2.5.4 — BND-Bewertung DKOR S. 520

BND fand Haber-DKOR „alarmistisch“, Lagebild dadurch nicht verändert

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„Der Zeuge habe die „Sprache“ des Berichtes als „alarmistisch empfunden“, zumal die Sprache auch wieder im Bericht selbst relativiert worden sei. Zwar habe man den Bericht „intensiv“ gelesen, dennoch habe er das „Lagebild“ des BND nicht verändert.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 520 (Original, neues Fenster)

BND-Zeuge O. W.: Der DKOR enthielt aus Sicht des BND fünf bis sechs Gesprächspartner mit unterschiedlichen Meinungen; keinen konkreten Punkt, der einen Kollaps Kabuls zum 15.08. beschrieben hätte. Die Sprache wirkte „alarmistisch“, das BND-Lagebild wurde dadurch nicht verändert.

Thema: Nachrichtendienste Akteure: BND, O. W., Emily Haber abschlussbericht\teil2-kap7-evakuierung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 7, 4.2.4.b — Lagevortrag BND S. 544

BND-Lagevortrag Krisenstab 13.08.: Übernahme Kabuls vor 11.09. „eher unwahrscheinlich“, Kipppunkte würden Prozess beschleunigen

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„Lagevortrag: TLB-Führung derzeit kein Interesse an mil. Einnahme Kabuls, aber Einfluss auf mil. Operationsführung der TLB nicht uneingeschränkt …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Lagevortrag: TLB-Führung derzeit kein Interesse an mil. Einnahme Kabuls, aber Einfluss auf mil. Operationsführung der TLB nicht uneingeschränkt gegeben; Übernahme Kabuls durch TLB vor 11.9. eher unwahrscheinlich. Vollständiger mil. Abzug der IG, diplom. Absetzbewegungen oder Ausreise der AFG Eliten würden Prozess beschleunigen.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 544 (Original, neues Fenster)

Der BND trug in der Krisenstabssitzung am 13.08.2021 (Vizepräsidentin Freiin von Uslar-Gleichen, O. W., Dr. S. R.) sein Basisszenario vor: Eine militärische Übernahme Kabuls durch die Taliban vor dem 11.09.2021 sei „eher unwahrscheinlich“ (20–50 %). Faktoren, die den Prozess beschleunigen könnten: vollständiger US-Abzug, diplomatische Absetzbewegungen, Ausreise afghanischer Eliten. Die Kipppunkte wurden „dreimal“ betont.

Thema: Nachrichtendienste 2021-08-13 Akteure: BND, Freiin von Uslar-Gleichen, O. W., Dr. S. R. abschlussbericht\teil2-kap7-evakuierung.json
Feststellung Teil 2, Kap. 7, 6.1 — Lage 15.08. S. 570

15.08.2021 morgens: Green Zone wurde geräumt; BND O. W.: „eine Person“ habe entschieden

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„Und hier in Kabul hat eine Person – wir wissen nicht, wer – entschieden, die Green Zone zu räumen. Das hat für die Sicherheitskräfte in Kabul, für …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Und hier in Kabul hat eine Person – wir wissen nicht, wer – entschieden, die Green Zone zu räumen. Das hat für die Sicherheitskräfte in Kabul, für Ghani, für ganz Afghanistan das Signal gegeben: Die internationale Gemeinschaft gibt uns auf. Und das war letztendlich der Knackpunkt, warum Kabul gefallen ist.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 570 (Original, neues Fenster)

Am 15.08.2021 zeigte sich, dass die US-Sicherheitskräfte die Green Zone bereits in der Nacht auf den 15.08. geräumt hatten, laut BND-Zeuge O. W. auf Entscheidung „einer Person, wir wissen nicht wer“. Dies habe für die afghanischen Sicherheitskräfte, für Präsident Ghani und ganz Afghanistan das Signal gesetzt, dass die internationale Gemeinschaft Afghanistan aufgebe; dies sei der „Knackpunkt“, warum Kabul fiel.

Thema: Evakuierungsoperation 2021-08-15 Akteure: USA, BND, O. W. abschlussbericht\teil2-kap7-evakuierung.json