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„Man kann zwar heute nicht behaupten, dass sich alle Taliban dem Friedensprozess angeschlossen hätten. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Mehrheit mit den von uns im Juni 2002 und Dezember 2003 organisierten Loya Jirgas zusammengearbeitet hätte. Nach meiner festen Überzeugung hat das Versäumnis, sich den Taliban in dieser frühen Phase zu öffnen, eine wichtige Rolle bei allem gespielt, was später geschah, bis hin zum katastrophalen Ende am 15. August 2021.“
Lakhdar Brahimi, VN-Sonderbeauftragter für Afghanistan 2001–2004, bezeichnete die Nichteinbeziehung der Taliban auf dem Petersberg als „Ursünde“. Er habe nach eigenen Angaben einen Einbezug der Taliban angeregt, ohne Erfolg; neben USA seien auch Russland, Indien, Iran sowie die afghanischen Siegergruppen dagegen gewesen. Er habe erst nach dem 15.08.2021 erfahren, dass die Taliban Karzai angeboten hätten, die neue Ordnung zu akzeptieren, wenn sie unbehelligt in ihre Dörfer hätten zurückkehren können.
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„Auf Nachfrage erklärte Brahimi, Förderung der Demokratie habe zu Beginn des internationalen Einsatzes in Afghanistan für die Vereinten Nationen keine Priorität gehabt. Es sei vielmehr vorrangig darum gegangen, einen funktionierenden Staat zu schaffen. Der brauche vor allem eine Polizei und ein Justizsystem, die beide effizient und nicht korrupt sein dürften. In beiden Punkten habe man nach seiner Einschätzung nicht gut abgeschnitten.“
Brahimi erläuterte: Demokratieförderung sei zu Beginn keine VN-Priorität gewesen, vielmehr ein funktionierender Staat mit effizienter, nicht-korrupter Polizei und Justiz. In beiden Punkten habe man nicht gut abgeschnitten. Wieland-Karimi (Friedrich-Ebert-Stiftung Kabul) bestätigte: Zunächst sei es um Stabilität gegangen, nicht um Demokratisierung. Sie kritisierte das Präsidialsystem und das Wahlsystem ohne Parteienzulassung als Fehler.
„Einer der unglücklichen Irrtümer nach 9/11 war, dass wir derart auf Rache versessen waren, dass wir gegen die afghanischen Regeln der Kriegsführung verstießen. Wenn eine Seite gewinnt, legt die andere Seite die Waffen nieder und söhnt sich mit dem Sieger aus.“
Der ehemalige VN-Sondergesandte für Afghanistan Lakhdar Brahimi bezeichnete die Entscheidung, die Taliban militärisch zu bekämpfen statt sie einzubinden, später als „original sin“ (Ursünde). Ein Mitarbeiter des US-Foreign Service konstatierte, das Beharren auf der Verfolgung der Taliban als Verbrecher habe „mehr zum Aufstieg des Widerstands beigetragen als alles andere“. 2001 kam von deutscher Seite eine Einbindung der Taliban politisch nicht infrage.
Originalstelle„Die Petersberg-Konferenz im Dezember 2001 versammelte Delegationen von nur vier Einflussgruppen vormaliger Eliten. Repräsentativ war die Teilnahme in …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Petersberg-Konferenz im Dezember 2001 versammelte Delegationen von nur vier Einflussgruppen vormaliger Eliten. Repräsentativ war die Teilnahme in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht damit nicht. Die Taliban, „militärisch wie politisch signifikant geschwächt“ 377, waren nicht eingeladen, was im Nachgang von Lakhdar Brahimi als „Ursünde“ („original sin“) bezeichnet wurde.“
Die Petersberg-Konferenz im Dezember 2001 versammelte Delegationen von nur vier Einflussgruppen vormaliger Eliten. Repräsentativ war die Teilnahme nicht. Die Taliban, „militärisch wie politisch signifikant geschwächt“, waren nicht eingeladen, was im Nachgang von Brahimi als „Ursünde“ bezeichnet wurde. Nur drei Frauen (Habiba Sarabi, Fatima Gailani, Roza Mansuri) waren beteiligt. Die Privilegierung nur weniger Einflussgruppen ließ die Konferenz als „elitären Machtverteilungsakt“ erscheinen.