„Als wir dann da ankamen - kann ich einfach nur sagen, bin ich im Kriegsgebiet gelandet. Anders kann ich es nicht erklären oder beschreiben. … Vorm North Gate waren Tausende Menschen, ein Lärm, ständiger Beschusslärm.“
Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr beschrieben die Lage am Flughafen Kabul als „Kriegsgebiet“: brüllende Hitze, Gefechtslärm, Drohnen. Vor dem North Gate „tausende Menschen“, ständiger Beschusslärm. Auch der KUT-Leiter R. fühlte sich in dieser Woche „unsicherer … als die kompletten zwei Jahre vorher“.
„Wenn Sie […] sehen, diese Liste wird nicht wirklich leerer, weil 200 Namen dadrauf sind, und irgendwann müssen Sie rausfliegen, dann ist das ein ganz schlechtes Gefühl, weil mit dieser Liste übernimmt man dann natürlich auch eine gewisse Verantwortung.“
Oberstleutnant „Tobias“ erhielt die ELEFAND-Liste (Verzeichnis registrierter Deutscher) erst am 22.08.2021 morgens, „viel zu spät und in einem katastrophalen Zustand“. Zuvor hatte er „vier Tage lang“ in jeder Besprechung darum gebeten. Die Liste enthielt etwa 200 Namen, war nicht alphabetisch sortiert, mit Dopplungen. Hauptmann H.: Die Listen wurden in der Praxis nicht genutzt; Identifizierung erfolgte durch Dokumente am Tor und Einzelfallentscheidungen.
Originalstelle„Ich habe täglich Listen bekommen mit 200 Namen zum Teil drauf, nicht alphabetisch sortiert … Also, ich sage Ihnen: Ich hatte irgendwann einen Stapel …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Ich habe täglich Listen bekommen mit 200 Namen zum Teil drauf, nicht alphabetisch sortiert … Also, ich sage Ihnen: Ich hatte irgendwann einen Stapel voll Listen. Und wenn ich diese Liste genutzt hätte und jeden, der da stand, der mir gesagt hat: „Ja, ich darf mit“, auf dieser Liste gesucht hätte, dann würde ich vermutlich jetzt noch da stehen.“
Hauptmann H. an der Registrierungsstelle: Die täglich übermittelten Listen mit unsortierten 200 Namen waren in der Praxis nicht nutzbar. Identifizierung erfolgte stattdessen durch Dokumente, Fotos, Handyvideos und Befragung; es gab Einzelfallentscheidungen mit Rückfrage an van Thiel in „Grenzfällen“. Krisenbeauftragter Zahneisen: „Wir haben nie die Listen benutzt“; entscheidend war die Person am Tor.
Originalstelle„Im Zuge der Alarmierung zur militärischen Evakuierungsoperation kam es demnach dazu, dass die für die Soldatinnen und Soldaten zuständige, zivil …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Im Zuge der Alarmierung zur militärischen Evakuierungsoperation kam es demnach dazu, dass die für die Soldatinnen und Soldaten zuständige, zivil betriebene Zweigstelle des Bekleidungs- und Ausrüstungsmanagements nicht geöffnet hatte, sodass die Soldatinnen und Soldaten von dort keine Einsatzland-angepasste Kleidung und Schutzwesten empfangen konnten.“
Bei der Alarmierung der Feldjäger zur Evakuierungsmission hatte die zivil betriebene Zweigstelle des Bekleidungs- und Ausrüstungsmanagements nicht geöffnet. Soldat:innen behalfen sich mit vorhandenen Plattenträgern und teils privat beschafften Schutzwesten. Erst kurz vor Abflug wurde das Ziel von Usbekistan zu Afghanistan geändert; die Mitteilung an die Familien war „eine Herausforderung“.
Originalstelle„„Kleine Kinder werden zur begehrten Ware. Männer entreißen sie ihren Müttern, um sich mit ihrer Hilfe durch die Flughafentore zu mogeln. Soldaten …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„„Kleine Kinder werden zur begehrten Ware. Männer entreißen sie ihren Müttern, um sich mit ihrer Hilfe durch die Flughafentore zu mogeln. Soldaten beobachten, wie vermeintliche Väter die geraubten Kleinkinder achtlos wegstoßen, sobald sie es auf das Gelände geschafft haben. ,Kinder wurden wie Müll entsorgt‘.“
Mehrere Zeugen (Bundeswehrsoldat, Bundespolizist „Fisch”, AA-KUT-Beamter) schilderten vor dem Ausschuss vor den Flughafentoren herrschendes „Faustrecht”: Männer rissen Müttern Kinder weg, um sich „mitleidheischend” durchzumogeln; geraubte Kleinkinder wurden anschließend „achtlos weggestoßen” (General Arlt). Es kam laut „Fisch” auch vor den Toren zu Toten. Viele Afghanen versuchten mit gefälschten Papieren oder weitergegebenen Zugangsdokumenten Berechtigter ins Innere zu gelangen. General Schütt bezeichnete die Listenführung vor dem Ausschuss als „einer der größten Nightmares […] – das ist Chaos”.
Originalstelle„„Ich habe täglich Listen bekommen mit 200 Namen zum Teil drauf, nicht alphabetisch sortiert … Wenn ich diese Liste genutzt hätte und jeden, der da …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„„Ich habe täglich Listen bekommen mit 200 Namen zum Teil drauf, nicht alphabetisch sortiert … Wenn ich diese Liste genutzt hätte und jeden, der da stand, der mir gesagt hat: „Ja, ich darf mit”, auf dieser Liste gesucht hätte, dann würde ich vermutlich jetzt noch da stehen.” (Hauptmann H.)“
Die Fraktion dokumentiert das Listenchaos: Die ELEFAND-Liste deutscher Staatsangehöriger traf erst am 21.08.2021 ein, fünf Tage nach Ankunft der Soldat:innen. ELEFAND brach unter dem „Traffic” zusammen. Die Ortskräfte-Listen waren als Papierausdrucke, mit hunderten nicht-alphabetisch sortierten afghanischen Namen kaum nutzbar. Berechtigte mussten teils mit Fotos identifiziert werden. Den Feldjägern fehlten Sprachmittler:innen für Dari und Paschtu sowie internetfähige Computer.
Hinweis: Kritische Bewertung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.