Die AfD führt aus: Am 09.03.2020 ließ sich Abdullah Abdullah parallel zur Vereidigung Ghanis zum Präsidenten ausrufen; laut BND forderte er via Facebook seine Anhänger zur Bewaffnung und Sturm des Sapedarpalasts auf. Auf die Ghani-Vereidigungszeremonie wurde ein Raketenanschlag verübt. Der Sicherheitsberater Mohib warnte die Botschaft, die Krise könne auf die Streitkräfte übergreifen. Eine Aufspaltung der ANDSF entlang Bruchlinie Ghani-Abdullah sowie ethnischer Linien (Turkmenen, Usbeken, Hazara) stand „ernsthaft im Raum”. Erst US-Hilfekürzungsdrohung (Pompeo, 23.03.2020) und Vereinbarung vom 16.05.2020 entschärften die Krise.
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„Gleichzeitig muss man sehen, wie sehr Ghani offenbar auch der Realität entrückt war. Er hatte sich seit 2014 zusehends mit jungen, westlich geprägten Exilafghanen wie Sicherheitsberater Hamdullah Mohib umgeben, die seine Entrücktheit und Isolation beförderten. Sie konnten das afghanische power game nicht mitspielen, und Ghani konnte es auch nicht. Er versuchte stattdessen, die warlords und Regionalfürsten zu bekämpfen, die der Westen zeitgleich weiter als Partner sah.“
Ghani sei zunehmend der Realität entrückt gewesen; er habe sich seit 2014 mit jungen, westlich geprägten Exilafghan:innen wie Sicherheitsberater Hamdullah Mohib umgeben, die Entrücktheit und Isolation befördert hätten. Ghani habe Warlords und Regionalfürsten bekämpft, die der Westen zeitgleich als Partner ansah.
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„Dies ergibt sich beispielsweise aus dem Umstand, dass die Taliban das Doha-Abkommen in ihrer frei online verfügbaren Propaganda regelmässig nicht als Friedensvertrag, sondern als Vereinbarung zur „Beendung der Besatzung” Afghanistans bezeichneten. Dass die Taliban den Doha-Prozess als Verhandlung einer Kapitulation auffassten, zeigt sich sodann noch klarer in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Rede, die Taliban-Unterhändler Mullah Fazl im März 2020 … an Taliban-Kommandanten richtete. In dieser Ansprache sagte Fazl unter anderem: • dass „die Amerikaner sich vor die Füssen der Mudschahedin [sprich Taliban] geworfen und uns [die Taliban] um sicheres Geleit aus Afghanistan angefleht haben”; • dass die Taliban betreffend ihrer Forderungen keine Kompromisse machen würden; • dass der Taliban-Anführer das Staatsoberhaupt werde und es erneut ein Islamisches Emirate geben werde; und • dass die Taliban niemals ein Teil des republikanischen Systems werden würden, sprich niemals die Macht mit republikanischen Vertretern teilen würden. … [Hamdullah] Mohib sagt, dass die Taliban bereits während andauernden Verhandlungen zu ihm gesagt hätten, dass „Aussenminister in Schlangen warten, um sie [die Taliban] zu treffen” und „es nicht nötig ist, mit der afghanischen [republikanischen] Regierung zu sprechen.”“
Die Taliban hätten Doha intern als Kapitulationsverhandlung und „Beendung der Besatzung” verstanden; eine nicht-öffentliche Rede des Unterhändlers Mullah Fazl an Taliban-Kommandanten im März 2020 zeige dies klar: die Amerikaner hätten sich „vor die Füßen der Mudschahedin geworfen”, die Taliban würden keine Kompromisse machen, der Taliban-Anführer werde Staatsoberhaupt und Macht würde nie mit republikanischen Vertretern geteilt. Der frühere Sicherheitsberater Hamdullah Mohib bestätigte, dass Taliban schon 2019 sich als „wartende Regierung” gesehen hätten.
Originalstelle„Das Ergebnis war, dass die afghanische Regierung, während sich das amerikanische Militär und seine Vertragsnehmer zurückzogen, gänzlich unvorbereitet …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Das Ergebnis war, dass die afghanische Regierung, während sich das amerikanische Militär und seine Vertragsnehmer zurückzogen, gänzlich unvorbereitet war für den Kampf gegen die Taliban. … Hamdullah Mohib, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater Afghanistans, erklärte gegenüber SIGAR: „Die Entscheidung von Präsident Biden über einen vollständigen Abzug, ohne dass die Bedingungen des Abkommens der USA mit den Taliban erfüllt sind, kam für uns unerwartet. Diese Ankündigung vom April war ein Schock für uns, denn zuvor hatten amerikanische Vertreter der afghanischen Regierung … bei jeder Gelegenheit versichert, dass sie sich zu einem ‚unabhängigen und demokratischen Afghanistan, das in Frieden mit sich selbst und seinen Nachbarn lebt' bekennen, und wiesen wortreich jede Argumentation zurück, wonach ihre Verhandlungen mit den Taliban und ihre anschließende Vereinbarung mit ihnen im Grunde genommen ein Vorwand für den Abzug aller ihrer Truppen seien.”“
Die afghanische Regierung sei beim Abzug der USA und ihrer Vertragsnehmer gänzlich unvorbereitet für den Kampf gegen die Taliban gewesen. Mohib bestätigte SIGAR, Bidens April-Ankündigung sei ein „Schock” gewesen, weil US-Vertreter zuvor stets ein Bekenntnis zu einem unabhängigen, demokratischen Afghanistan abgegeben und Argumente eines „Vorwand”-Abzugs zurückgewiesen hatten.
Originalstelle„Wie der ehemalige stellvertretender Außenminister Hekmat Karzai gegenüber SIGAR erklärte, „bestand auf beiden Seiten ein enormer Druck, sich …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Wie der ehemalige stellvertretender Außenminister Hekmat Karzai gegenüber SIGAR erklärte, „bestand auf beiden Seiten ein enormer Druck, sich gegenseitig zu absorbieren”. … Mohib zufolge hielt sich die Regierung bis zu der Woche vor dem Zusammenbruch für die dominierende politische Kraft. … Präsident Ghani weigerte sich selbst in letzter Minute noch, die Macht abzugeben. Einige afghanische Unterhändler glaubten, wenn Präsident Ghani in Kabul geblieben und zum Rücktritt bereit gewesen wäre, hätten einige Elemente der Republik überlebt. Vielleicht hätte durch amerikanische Vermittlung eine Art Übergangsregierung unter Beteiligung der afghanischen Regierung ebenso wie der Taliban gebildet werden können, und einige Elemente der Verfassung wären erhalten geblieben. Doch Präsident Ghani floh am 15. August aus dem Land.“
Hekmat Karzai konstatierte „enormen Druck” auf beiden Seiten zur „Absorption”. Bis zur Woche vor dem Kollaps habe sich die Ghani-Regierung für die dominierende politische Kraft gehalten; Ghani weigerte sich bis zuletzt zur Machtabgabe. Wäre er in Kabul geblieben, hätte vermutlich eine vermittelte Übergangsregierung mit Beteiligung Regierung und Taliban gebildet werden können und Verfassungselemente erhalten bleiben. Seine Flucht am 15. August machte das unmöglich.
Originalstelle„2021 wurde die afghanische Regierung gemeinhin als „Drei-Mann-Republik” bezeichnet, bestehend aus Präsident Ghani, seinem nationalen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„2021 wurde die afghanische Regierung gemeinhin als „Drei-Mann-Republik” bezeichnet, bestehend aus Präsident Ghani, seinem nationalen Sicherheitsberater Hamdullah Mohib und dem Leiter des Verwaltungsbüros des Präsidenten, Fazal Mahmood Fazli. Keiner der drei verfügte über sicherheitsrelevante Erfahrung: Präsident Ghani war Kulturanthropologe und ehemaliger Weltbank-Ökonom, Fazli war Arzt und Diplomat, und Mohib hatte seine Doktorarbeit über Unterhaltung und Kommunikation in der virtuellen Realität abgeschlossen … Medienberichten zufolge übernahm Mohib die direkte Kontrolle über militärische Operationen, richtete eine Kommandozentrale im afghanischen Nationalen Sicherheitsrat ein, legte militärische Ziele fest, ernannte lokale Kommandeure und ordnete Truppeneinsätze an. Zudem rief er persönlich Kommandeure von Truppenteilen an und erteilte Befehle unter Umgehung der regulären Befehlskette.“
2021 sei die Regierung als „Drei-Mann-Republik” (Ghani, Mohib, Fazli) bekannt gewesen, keiner mit sicherheitsrelevanter Erfahrung; Mohib (Doktorarbeit über VR-Kommunikation) habe als nationaler Sicherheitsberater eine eigene Kommandozentrale eingerichtet, militärische Ziele festgelegt, Kommandeure ernannt und unter Umgehung der regulären Befehlskette Befehle erteilt.