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„Das Doha-Abkommen [werde] in der Konfliktforschung als „Track-one Diplomacy” bezeichnet. Dabei handele es sich um die „[s]chlechteste” Art von Abkommen, die „man sich vorstellen” könne. Das Abkommen sei laut dem Sachverständigen „handwerklich gesehen miserabel” und zeitlich von den Amerikanern „durchgepeitscht” worden. Durch die Nichtbeteiligung der afghanischen Regierung und der afghanischen Zivilgesellschaft hätten „zwei ganz zentrale Akteure” gefehlt. … keine „verbindlichen Kriterien”, „keine Monitoringinstrumente” und keinen „Stufenplan” für einen Abzug … Der Truppenabzug sei somit „eigentlich nie mit dem afghanischen Friedensprozess gekoppelt worden”.“
Sachverständiger Schetter bezeichnete das Doha-Abkommen als „handwerklich miserabel” und „durchgepeitscht”: Es fehlten Beteiligung der afghanischen Regierung und Zivilgesellschaft, verbindliche Kriterien, Monitoring-Instrumente und ein Stufenplan; der Truppenabzug sei nie mit dem innerafghanischen Friedensprozess gekoppelt worden. Mielke und Petersmann bestätigten dies.
Originalstelle„So dampfte die internationale Gemeinschaft die Vergangenheit des Landes immer wieder auf recht grobe Konfliktlinien ein […]. Dabei gab es wenig …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„So dampfte die internationale Gemeinschaft die Vergangenheit des Landes immer wieder auf recht grobe Konfliktlinien ein […]. Dabei gab es wenig Bemühen, ein historisches Kontextverständnis zu entwickeln. Frappierend ist vor allem, in wie vielen Politikfeldern – etwa Sicherheitssektor oder Bildung – die Interventen die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer in den 1980er-Jahren verfolgten, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.“
Prof. Conrad Schetter (BICC) kritisierte: Die kulturelle und ethnische Vielfalt Afghanistans sowie das Stadt-Land-Gefälle seien in der Einsatzvorbereitung zu wenig berücksichtigt worden. Konstante Konflikte um Ressourcen (Wasser, Land, Weiden) seien unterschätzt, die Idee westlicher Staatlichkeit habe für die Mehrheit der Bevölkerung keine Rolle gespielt. Frappierend sei, dass Interventen in vielen Politikfeldern (Sicherheit, Bildung) die gleiche Politik wie die sowjetischen Besatzer der 1980er verfolgt hätten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Vorhandene Expertise sei wenig abgefragt worden.
Originalstelle„Dass die afghanischen Warlords der Nord-Allianz bei der Bonner Konferenz ihre Ansprüche auf Regierungsposten und Einfluss durchsetzen konnten, obwohl …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Dass die afghanischen Warlords der Nord-Allianz bei der Bonner Konferenz ihre Ansprüche auf Regierungsposten und Einfluss durchsetzen konnten, obwohl einige als verantwortlich für Gewalt und Kriegsverbrechen während des Bürgerkrieges zwischen 1992 und 1996 galten, habe den gesellschaftlichen Neuanfang erschwert und später auch die Aufarbeitung der Kriegsjahre verhindert, so die Auffassung Schetters.“
Schetter wertete die Durchsetzung von Regierungsposten durch Nord-Allianz-Warlords (von denen einige als verantwortlich für Gewalt 1992–1996 galten) bei der Bonner Konferenz als Hindernis für gesellschaftlichen Neuanfang und spätere Aufarbeitung. Sarabi bestätigte: Die Warlords hätten ihre Waffen auch bei späterer Demobilisierung zum größten Teil nicht abgegeben. Das Ergebnis seien Menschenrechtsverletzungen überall gewesen.
„Das, was es an Wissensbeständen gab, wurde also nicht einbezogen, und eigentlich hat man sich bis heute nie bemüht, gezielt Wissensbestände zu Afghanistan aufzubauen.“
Eine Kernschwäche des deutschen Engagements bestand in der Unterschätzung des eigenen Informationsbedarfs. Wissen wurde bedarfsmäßig, jedoch kaum systematisch und aus nur begrenzten Quellen bezogen. Dies führte zu Unkenntnis über „Land und Leute” und zu einem mangelnden Bewusstsein für diese Unkenntnis. Vorangegangene Versuche hin zu einer Demokratie wurden nicht tiefgehend genug analysiert.
„„Da, […] wo sozusagen EZ mit Militär gekoppelt wurde, ist das Ergebnis verheerend. In Afghanistan […] konnte die Verbindung von Kampfeinsatz und Wiederaufbau nicht funktionieren, weil da sozusagen zu viele Rollen ineinandergegriffen haben.“
Mehrere Sachverständige (Petermann, Zeino, Schetter, Safi) machten dem Ausschuss klar: Anders als in Deutschland oft dargestellt, war der Bundeswehr-Einsatz kein Flankenschutz für die EZ, vielmehr ein Hemmschuh. Westliche Truppen wurden von der Zivilbevölkerung als Besatzer wahrgenommen; nächtliche Razzien, US-Luftangriffe (Anzahl getöteter Zivilisten 2016–2019 verdreifacht) und Frauenförderung-Diskurs erschwerten Glaubwürdigkeit und Wirkung. BMZ-Minister Müller (CSU) bestätigte, NGOs hätten von Anfang an darauf hingewiesen, sie seien ohne Bundeswehr tätig.