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„Obgleich die Bundesregierung stets bekannte, gegenüber den lokalen Potentaten in Nordafghanistan eine Äquidistanz zu wahren, „… ging sie informelle Zweckbündnisse mit inoffiziellen Machthabern ein“ (Münch, 2015, S. 241). So stellte die Ausweitung von ISAF mit dem Konzept von PRTs die Dominanz der Gewaltakteure in Nordafghanistan nicht infrage, sondern stützte sich sogar auf diese … Die Bundesregierung förderte gezielt gewisse afghanische Patronage-Netzwerke und ignorierte andere.“
Obwohl die Bundesregierung offiziell „Äquidistanz” zu lokalen Potentaten beanspruchte, ging sie informelle Zweckbündnisse mit inoffiziellen Machthabern ein. Die deutschen PRTs (Kundus 2003–2013, Faisabad 2004–2012) arrangierten sich mit den dominierenden Patronen: in Masar-i Sharif Atta Noor, in Kundus zunächst Daud Daud, danach Mir Alam, in Badachschan Nazir Mohammad. Die Bundeswehr setzte überwiegend auf tadschikische Netzwerke (Jamiat-i Islami, Shura-ye Nazar); paschtunische Gruppen, die zunehmend von den Taliban mobilisiert wurden, wurden ignoriert.
Originalstelle„„Wenn ich mit der DO gesprochen habe, die haben alle ihre neuen Projekte bei Mohammed Atta [Noor] vorgestellt. Da wusste er ganz genau, welche …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„„Wenn ich mit der DO gesprochen habe, die haben alle ihre neuen Projekte bei Mohammed Atta [Noor] vorgestellt. Da wusste er ganz genau, welche Projekte kommen. Jedem in der DO war bewusst, dass dementsprechend Geld abgezweigt würde, weil Atta weiß, welche Projekte kommen. Dementsprechend konnte er auch genau überlegen, welche Firmen auf den Auftrag angesetzt wurden und wieviel Prozent bei ihm verbleiben. Das wurde in Kauf genommen. Relativ bewusst. Nicht schriftlich, aber jeder wusste es“ (deutsche:r Praktiker:in 3, 22.05.2024).“
Die deutschen Durchführungsorganisationen stellten Atta Noor neue Projekte vor. Er wusste so frühzeitig, welche Aufträge bevorstanden, und konnte seine Firmen einsetzen sowie den Prozentsatz, den er einbehielt, bestimmen. Diese Mittelabschöpfung sei von den DO „relativ bewusst, nicht schriftlich, aber jeder wusste es” in Kauf genommen worden. Die bewusste Förderung gewisser Patrone wurde nicht transparent gemacht, weder zwischen Bundesministerien noch zwischen Ministerien und DO.
Originalstelle„Viele Familienclans (u.a. Karzais Bruder Ahmad Wali Karzai, damaliger Vorsitzender des Provinzrates in Kandahar) waren direkt in die Opiumökonomie …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Viele Familienclans (u.a. Karzais Bruder Ahmad Wali Karzai, damaliger Vorsitzender des Provinzrates in Kandahar) waren direkt in die Opiumökonomie verstrickt, und mächtige Drogenbarone nahmen über staatliche Ämter Einfluss auf die Politik … Zu nennen sind etwa Sher Mohammad Akhundzada (Governeur von Helmand), Gul Agha Sherzai (Governeur von Nangarhar und Kandahar), General Abdul Raziq (Polizeichef von Kandahar), Atta Mohammad Noor (Gouverneur von Balkh)“
Zahlreiche Familienclans, darunter Karzais Bruder Ahmad Wali (Vorsitzender Provinzrat Kandahar), waren direkt in die Opiumökonomie verstrickt. Mächtige Drogenbarone nahmen über staatliche Ämter Einfluss: Sher Mohammad Akhundzada (Helmand), Gul Agha Sherzai (Nangarhar und Kandahar), General Abdul Raziq (Polizeichef Kandahar), Atta Mohammad Noor (Balkh-Gouverneur), Juman Khan Hamdard (Paktia und Baghlan), Hazrat Ali (Nangarhar). Selbst Verantwortliche der Drogenbekämpfung (Daud Daud, Baz Mohammad Ahmadi) galten als verstrickt; Afghanistan wurde zum „Narco State”.